
4. Zelltracking von applizierten Zellen mittels SPECT/CT, PET und PET/CT durch direkte Zellmarkierung und nach Transduktion verschiedener Reportergen-Systeme im Klein- und Großtiermodell
Arbeitsfeld:
Teilprojekt 2: Zellapplikation / Zelltracking
Die klassische planare Szintigrapie in der Nuklearmedizin ist
heute in der molekularen Bildgebung durch die tomographischen
Verfahren SPECT und PET abgelöst. Beide Verfahren sind sehr
sensitiv (Detektion im nano- bis picomolaren Bereich) und
können daher sehr geringe Tracermengen nachweisen. Im
Umkehrschluss bedeutet dies, dass die Viabilität der
markierten Zellen durch die radioaktiv markierten Tracer kaum
beeinträchtigt wird. Verfahren zur direkten Markierung von
Zellen mit Isotopen gibt es bereits seit einiger Zeit. Zur
Anwendung kommen Isotope mit relativ langen Halbwertzeiten wie etwa
das seit den 80er Jahren in Europa klinisch zugelassene
[111In]Indium-Oxinat für SPECT (T1/2 = 2,8 d) oder
[64Cu]Kupfer-PTSM für PET (T1/2 = 12,7 h), Die Isotope werden
mittels eines lipophilen Komplexbildners über die
Zellmembranen in die Zelle eingeschleust und binden dann dort an
intrazelluläre Proteine, während der Chelator die Zelle
wieder verlässt. Praktisch inkubiert man die aufgearbeiteten
Zellen mit den radioaktiven Markern und wäscht dann die Zellen
mehrmals, um nicht aufgenommene Radioaktivität zu entfernen
(Kircher et al, 2003). Markierungsausbeuten von bis zu 100% sind
möglich, doch das hängt sehr stark von den
Inkubationsbedigungen ab. Bei Verwendung von [111In]Indium-Oxinat
oder [64Cu]Kupfer-PTSM sind kaum Auswirkungen auf die
Viabilität oder Funktionalität der markierten Zellen
beschrieben (Grimm et al, 2006; Zhou et al, 2005), dies wird jedoch
für die Markierung hämatopoetischer Vorläuferzellen
kontrovers diskutiert (Brenner et al, 2004; Nowak et al, 2007;
Bindslev et al, 2006). Bei phagozytotischen Zellen, wie z.B.
Makrophagen, ist eine direkte Markierung über ihre
natürliche Aktivität natürlich leichter zu erreichen
als bei nicht phagozytotisch aktiven Zellen. Ein prinzipieller und
auch messtechnisch schwer zu erfassender Nachteil bei der direkten
Markierung ergibt sich aus dem Fakt, dass die Zellen ihre
Markierung oft über die Zeit wieder verlieren, was die Methode
ungeeignet für längerfristige Beobachtungen macht (Adonai
et al, 2002; Grimm et al, 2006, Zhou et al, 2005).
Eine Lösung hierfür bietet sich bei der indirekten
Markierung über die Einführung von Reportergenen an.
Hierfür werden die Zellen gentechnisch modifiziert, so dass
sie als Genprodukt entweder ein Enzym exprimieren, das als Substrat
ein Kontrastmittel nutzt (z.B. Luziferase bei der optischen
Bildgebung oder HSV-Thymidinkinase bei PET-Techniken), oder aber
einen Rezeptor auf der Zellmembran (z.B. den Transferrin-Rezeptor
bei MR-Verfahren oder den Dopamin D2-Rezeptor bei
nuklearmedizinischen Techniken), an dessen Liganden das
Kontrastmittel bzw. das Radionuklid gekoppelt wird (Blasberg und
Gelovani, 2002; Ponomarev et al, 2004; Tannous et al, 2006;
Weissleder et al., 2000).
Dabei wird die Zelle über das Reportergenprodukt als
Vermittler markiert. Idealerweise wird ein Gen gewählt, das
entweder im zu untersuchenden Organismus (z.B. Luiferase) oder
wenigstens im Zielgewebe nicht vorkommt. Klassische Reportergene
sind die Luziferase oder GFP (für optische Bildgebung mit
Bioluminesenz bzw. Fluoreszenz (Koehne et al, 2003, Ponomarev et
al, 2004; Tang et al, 2003), Varianten der HSV-TK (für PET)
sowie Biotin-Akzeptor-Proteine, Rezeptoren oder die Tyrosinkinase
(für MRT, PET, SPECT) (Alfke et al, 2003; Rogers et al, 2006;
Tannous et al, 2006). Ist die Genexpression des Reportergens in der
Zelle stabil, können im Gegensatz zu einer direkten Markierung
die Zellen theoretisch über einen langen Zeitraum verfolgt
werden. Ein weiterer Vorteil ist, dass das Reportergen bei stabiler
Transfektion auch an die Tochterzellen weitergegeben wird, so dass
tatsächlich die Proliferation in vivo gemessen werden kann, da
sich das Signal über die Zeit verstärkt. Das PET-Signal
kann also auch direkt vitalen Zellen zugeschrieben werden.
Weiterhin ist die Expression von Rezeptorsystemen wie z.B. das
dopamnerge und das Somatostatin-Rezeptorsystem von grossem
Interesse, da diese Systeme zum einen nicht in den hier
betrachteten Geweben vorkommen und damit ein hohes
Signal-zu-Untergrund-Verhältnis erzielt werden kann und da zum
anderen in unserer Gruppe eine Vielzahl von Radioliganden für
diese Systeme etabliert sind, die deutliche Affinitäts- und
Subtypenspezifitäten aufzeigen und so für die jeweilige
Anwendung gezielt eingesetzt werden können.
Die Einführung der Reportergene ist über verschiedene
Verfahren möglich, von denen heute virale Vektoren wie
beispielsweise Lentiviren am weitesten verbreitet sind (De et al,
2003). Das am häufigsten verwendete Reportergen dürfte
wohl die Herpes-simplex-Thymidinkinase (HSV-TK) oder eine ihrer
zahlreichen Varianten sein (Gambhir et al, 2000), die nicht
natürlicherweise in eukaryontischen Zellen vorkommen. Die
HSV-TK phosphoryliert ihre radioaktiven Substrate (Pyrimidin- oder
Acycloguanosin-Analoga wie 124I-FIAU, 18F-FEAU oder 18F-FHBG), die
daraufhin mit einer negativen Ladung versehen die Zelle nicht mehr
verlassen können und somit in der transfizierten Zelle
akkumulieren (ähnlich dem ’metabolic trapping’
beim FDG). Aufgrund der geringen Konzentration der Radiotracer
(Mikro- bis Nanogramm-Bereich) treten hierbei keine toxischen
Effekte durch die Metaboliten auf. Mittels HSV-TK und
PET-Bildgebung konnte die Akkumulation tumorspezifischer
Lymphozyten in vivo verfolgt (Koehne et al, 2003) sowie die
Aktivierung von T-Zellen erfasst werden (Ponomarec et al,
2001).
Für das dopaminerge System sind verschiedene D2-Liganden
eingesetzt worden (Aung et al, 2005) und auch der
Somatostatin-Rezeptor wurde in Verbindung mit [111In]-Octreotid
ebenfalls als Reportergen eingesetzt (Rogers et al, 2003). Da das
Octreotid klinisch zugelassen ist, stellt dies ein
vielversprechendes System für klinisches Cell Tracking dar.
Ein anderes attraktives System bietet der Natrium-Iod-Symporter
(NIS), dessen Expression mit [123I]Iod oder [99mTc]Technetium
für SPECT- oder [124I]Iod für PET-Untersuchungen
dargestellt werden kann und nur in einigen wenigen Organen
exprimiert wird (Huang et al, 2001). Der NIS wurde genutzt, um die
Wanderung und die Differenzierung neuraler Stammzellen zu
beobachten (Kim et al, 2005) sowie zum Tracking und zur
Quantifizierung von Tumorzellen (Marsee et al, 2004; Shin et al,
2004).
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Status:
laufend
