
5. Zellbasierte Therapie der Ruptur des vorderen Kreuzbandes im Alter (VKB)
Arbeitsfeld:
Teilprojekt 2: Zellapplikation / Zelltracking
Stand der Wissenschaft und Technik
Verletzungen des vorderen Kreuzbandes (VKB) sind häufig und
können derzeit nur ungenügend behandelt werden. Unser
Ziel ist es einen minimal-invasiven Therapieansatz für eine
biologisch augmentierte primäre Naht des rupturierten VKB zu
entwickeln. Die biologische Augmentation der Ankernaht erfolgt
durch Autologous Conditioned Plasma (ACP, Fa. Arthrex) mit und ohne
Zugabe von mesenchymalen Stammzellen (MSZ). Nach Optimierung der
biologischen Augmentation in vitro soll der Ansatz später am
Grosstiermodell zur Anwendungsreife gebracht werden.
Epidemiologie und Bedeutung der VKB Ruptur
Mit einer Inzidenz von 1/3000 in westlichen Industrienationen
gehören die Rupturen des vorderen Kreuzbandes (VKB) zu den
häufigsten Kniegelenksverletzungen. Der Verlust der
VKB-Funktion führt dabei unweigerlich zu
Knie-Instabilität, Verlust der Propriozeption und vorzeitigen
Arthroseentwicklung. Heute haben sich autologe
Sehnenersatzplastiken als Therapiestandard bis zu einem
biologischen Lebensalter von etwa 45 Jahren etabliert, jedoch
können diese Bandersatzplastiken nicht die komplexe
Architektur und Biomechanik des VKB wiederherstellen und werden
nach diesem Lebensalter wegen der aufwendigen Operationstechnik
nicht mehr durchgeführt. So weisen mehr als 50% der Patienten
bereits 7 Jahre postoperativ radiologische Zeichen einer
Gonarthrose auf. Dementsprechend ist die VKB-Ruptur ein wichtiges
klinisches Problem und es besteht Bedarf an einem verbesserten
Therapiekonzept.
Konzept der biologisch augmentierten primären VKB
Rekonstruktion
Die theoretisch einfachste Methode zur Wiederherstellung des VKB in
Form und Funktion ist die primäre Naht. Bei den ersten
Versuchen der primären VKB-Naht versagten die Regenerate bei
mehr als 50% der Patienten nach etwa einem Jahr, da die Nähte
insuffizient wurden. Als Hauptgrund hierfür ist die fehlende
Ausbildung eines provisorischen Blutkoagels im intraartikulär
gelegenen Defekt zu nennen, der sich im Gegensatz dazu bei der
extraartikulären Ligamentheilung (z.B. Innenbandheilung)
bildet und die Basis für den Heilungsvorgang darstellt.
Basierend auf diesen Erkenntnissen postulieren wir, dass eine VKB
Heilung stattfinden kann, wenn eine provisorische Matrix als Basis
für den Reparaturprozess in den Rupturspalt eingebracht wird.
Unterstützt wird unsere Hypothese durch kürzlich
veröffentlichte Arbeiten zur VKB Heilung mit der sog.
„Healing Response“. Hierbei wird im Bereich der
femoralen VKB Insertionsstelle bei proximaler Ruptur eine
Mikrofrakturierung zur Erzeugung eines Knochenmarkkoagels zur
Heilungsinduktion durchgeführt. Die bisher
veröffentlichten Ergebnisse mit dieser Technologie zeigen
erstaunlich hohe Heilungsraten (>77%), bei jedoch sehr streng
selektionierten Patientenkollektiven. Die Antragsteller vertreten
die Ansicht, dass sich diese Ergebnisse durch eine Ankernaht zur
Fixierung des VKB Stumpfes und das Einbringen einer biologisch
augmentierten Matrix weiter verbessert werden. Durch diese wenig
aufwendige Operationstechnik kann die Indikation für eine
VKB-Reparatur auf ein breiteres Patientenkollektiv auch über
einem Lebensalter von 45 Jahren erweitert werden.
Basierend auf diesen Untersuchungen zielt dieses Projekt auf die Entwicklung eines biologischen Ersatzes für das Rupturhämatom beim VKB mittels Tissue Engineering, welches den Heilungsvorgang des genähten Bandes einleitet. Hierbei hat sich Verwendung von autologen Serumpräparationen als Vorteilhaft für die Weichteilheilung gezeigt. Als biologisches Trägermaterial eignet sich eine Mischung eines Kollagen Hydrogels zusammen mit Serumplasma in idealer Weise zur Zellapplikation. Das autologe Serum mit dem Autologous Conditioned Plasma (ACP®) System wird von der Fa. Arthex hergestellt. Zur Zellapplikation wird das ACP mit MSZ und Typ I Kollagen Hydrogel gemischt, welches in Kooperation mit Herrn Prof. Fries (Koop WP1) optimiert wird.
Zellen. Als Zellquelle um die VKB Heilung lokal zu stimulieren eignen sich sowohl differenzierte Fibroblasten verschiedener Herkunft, als auch MSCs aus dem Knochenmark. Aufgrund der limitierten Verfügbarkeit von VKB Fibroblasten und der Notwendigkeit der ex vivo Isolation und Amplifikation der Zellen, favorisieren die Antragsteller die Verwendung von MSZ, da diese einfach intraoperativ gewonnen werden können. Die positive Rolle von MSZ bei der Bandheilung und ihre ligamentogene Differenzierbarkeit wird durch zahlreiche Studien belegt.
Ligamentogene Stimuli. Wachstumsfaktoren: Verschiedenen Aspekte der Ligamentheilung wie Mitose und Matrixsynthese können durch Wachstumsfaktoren wie z.B. TGF-, IGF-1, bFGF und PDGF gesteigert werden. Diese Wachstumsfaktoren können mittels blutplättchenhaltigen autologen Serumpräparationen (ACP; Fa. Arthrex) effektiv intraartikulär dargereicht werden. Die Darreichung der Wachstumsfaktoren via ACP ist insbesondere wegen ihrer klinischen Applizierbarkeit im Bereich des geplanten Kreuzbanddefektes attraktiv. Ob die funktionellen Wachstumsfatorkonzentrationen via ACP Darreichung zur Heilungsinduktion bei VKB-Rupturen ausreichen, müssen die geplanten Studien zeigen. Gentherapie: Sollte die VKB-Heilungsinduktion mittels ACP +/- MSZ nicht ausreichen, planen wir den Ansatz mit Methoden des Gentransfers zu ergänzen, die einen alternativen Ansatz des „Protein-Delivery“ zur Ligamentregeneration darstellen. Die Sicherheit und z.T. auch Effektivität dieser Technologie in humanen Gelenken konnte bereits durch eine Phase I klinische Studie zur Arthritistherapie belegt werden. Biomechanik: Weiterhin konnten mechanische Einflüsse wie zyklische Dehnung von 1 Hz die Matrixsynthese und den ligamentogenen Phänotyp von MSZ und Fibroblasten positiv beeinflussen.
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Status:
laufend
