
Pressemitteilungen
03.02.2010
Hoffnungsträger Hightech-Glas
Neuer Bayerischer Forschungsverbund FORGLAS definiert das Glas
neu
In Zukunft erzeugen Gebäude Energie, anstatt sie
nur zu verbrauchen. Für diese Vision entwickelt der
Forschungsverbund FORGLAS neue, effiziente glasbasierte
Multifunktionswerkstoffe. Die eignen sich auch dafür,
Altbauten günstig von Energieschleudern in Energiesparer zu
verwandeln. Zusätzlich gibt die Forschungsarbeit der
heimischen Glasindustrie eine dringend benötigte Perspektive
für die Zukunft.
In der Roadmap zur Energiepolitik 2020 hat die deutsche
Bundesregierung beschlossen bis 2020 die Treibhausgasemissionen um
40 % zu senken und gleichzeitig die Energieproduktivität zu
verdoppeln (bezogen auf 1990). Um diese Ziele zu erreichen, kommt
der Steigerung der Energieeffizienz in Gewerbe- und
Wohngebäuden, und damit dem Sonnenlicht als Energiequelle,
eine überragende Bedeutung zu. Diese Energiequelle besser
nutzen zu können und damit neue Geschäftsfelder für
die heimische Glasindustrie zu öffnen, ist das Ziel des
Forschungsverbundes FORGLAS. In den nächsten drei Jahren wird
der Verbund, in dem fünf wissenschaftliche Institute (drei
Lehrstühle der Universität Bayreuth, die Universität
Erlangen und das Fraunhofer Institut in Würzburg) und 16
Unternehmen aus der gesamten Glaswertschöpfungskette
zusammenarbeiten, multifunktionale Werkstoffe aus Glas für
energieeffiziente Gebäudetechnologien entwickeln. Die
Bayerische Forschungsstiftung unterstützt das
Vorhaben mit einem Budget von 2,2 Mio. Euro. Weitere 3,2 Mio. Euro
steuert die einschlägige Industrie bei. Sprecher des neuen
Forschungsverbundes sind Prof. Dr. Monika Willert-Porada, Inhaberin
des Lehrstuhls für Werkstoffverarbeitung an der
Universität Bayreuth, und Dipl.-Ing. Stefan Trassl,
Geschäftsführer der Firma SiLi aus Warmensteinach.
Glas: Schlüsselwerkstoff für energieeffiziente
Hightech-Materialien
Beim Heizen oder Kühlen von schlecht oder nur unzureichend
gedämmten Gebäuden geht sehr viel Energie ungenutzt
verloren. Doch eben solche Bauten haben weltweit einen hohen
Flächenanteil an der gesamten Bausubstanz. In Deutschland
liegt er bei über 80 Prozent. Nur mit erheblichem
Sanierungsaufwand lässt sich bislang die Energieverschwendung
stoppen – und der ist teuer. Zeit, neue Wege zu beschreiten.
Zum Beispiel neue Materialien zu entwickeln, die bislang meist
getrennt entwickelte Gebäude-, Glas-, und
Photovoltaik-Technologien synergetisch integrieren.
Die Verbundpartner von FORGLAS werden in den drei Arbeitsgruppen
„Spezielle Halbzeuge für Licht- und
Wärmemanagement“ sowie „Glasentwicklung
und -Verarbeitungstechnologien“ und
„Querschnittsthemen“ insgesamt zehn Teilprojekte
umsetzen und dabei folgende ehrgeizige Ziele verfolgen:
- Neue Glaswerkstoffe entwickeln, die den Energiehaushalt von Gebäuden deutlich und nachhaltig verbessern.
- Neue Oberflächenbehandlungen ausarbeiten, die bestehende Glaswerkstoffe signifikant verbessern und sich aus ökologischer sowie ökonomischer Sicht in großem Maßstab realisieren lassen.
- Prozesse entwickeln, mit denen sich bekannte oder neue Glassorten zu Halbzeugen und Additiven wie Mikrokugeln, Flakes und Fasern verarbeiten lassen, die als Basis für neue Produkte und Anwendungen dienen.
- Beschleunigte Belastungstests entwerfen, die das Verhalten der neuen Werkstoffe und Produkte unter realen Umweltbedingungen simulieren. Auf dieser Grundlage lässt sich die Langzeitstabilität der Produkte verbessern.
Für die Umsetzung dieser Ziele ist FORGLAS bestens
gerüstet: Der Verbund hat Zugriff auf eine
Schmelz-Screening-Anlage, einen Mini-Melter und angeschlossene
Verarbeitungsanlagen – das ist im institutionellen Umfeld
europaweit einmalig. Durch diese sehr nah an eine reale
Industrieproduktion angelehnte wissenschaftlich-experimentelle
Ausstattung zur Herstellung und Verarbeitung von Glas schlägt
FORGLAS erstmals die Brücke zwischen Grundlagenforschung und
Produkt- sowie Prozessoptimierung.
Hightech-Glas als Hoffnungsträger
Für die unter hohem Konkurrenzdruck stehende Glasindustrie
kommt die FORGLAS-Initiative zur rechten Zeit. Vor allem
mittelständische Betriebe prägen europaweit diesen
Industriezweig – auch in Bayern. Nur wenige dieser
Glashersteller, Veredler und Verarbeiter verfügen jedoch
über eigene Forschungsabteilungen. „Die am
Forschungsverbund FORGLAS beteiligten Unternehmen erhalten die
Möglichkeit, gemeinsam mit Partnern und führenden
Forschungsinstituten neue, technologisch führende Produkte und
Fertigungsverfahren zu entwickeln“, sagt FORGLAS-Sprecherin
Prof. Willert-Porada. „Auf dieser Basis können sie neue
Geschäftsfelder erschließen, zu denen sie bisher keinen
Zugang hatten.“ Dazu zählt die Verarbeitung von Glas zu
multifunktionalen Baustoffen wie Anstrichen, Putzen und
Fassadenelementen. Die glasbasierten Werkstoffe bestehen aus
Kugeln, Fasern oder Flakes in einer polymeren und/oder
mineralischen Grundsubstanz. Sie lassen sich als
wärmespeichernde oder kühlende, schalldämmende und
biologisch wirksame Elemente einsetzen.
Zu den Bayerischen Forschungsverbünden
FORGLAS ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft der Bayerischen
Forschungsverbünde, abayfor, die seitens der Bayerischen
Forschungsallianz (BayFOR) in einem eigenen Geschäftsbereich
betreut wird. Die BayFOR setzt sich als gemeinnützige
Gesellschaft für die Förderung des Wissenschafts- und
Innovationsstandortes Bayern im Forschungsraum Europa ein. In
Bayerischen Forschungsverbünden arbeiten Wissenschaftlerinnen
und Wissenschaftler aus verschiedenen Hochschulen und zum Teil auch
aus Unternehmen interdisziplinär zusammen, um komplexe
Fragestellungen in zukunftsrelevanten Bereichen zu beantworten.
Durch die Kooperation im Verbund wird eine Bündelung und
Vernetzung der bayernweit bestehenden Kompetenzen erreicht. Weitere
Informationen zu den bayerischen Forschungsverbünden finden
Sie unter www.bayfor.org/forschungsverbuende.
Weitere Informationen zu FORGLAS finden Sie in Kürze unter:
www.bayfor.org/forglas
Kontakt FORGLAS:
Prof. Dr. Monika Willert-Porada
Universität Bayreuth
Lehrstuhl für
Werkstoffverarbeitung
Universitätsstr. 30
95447 Bayreuth
Tel (0921) 55 7200
Fax (0921) 55 7205
E-Mail:
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