
Pressemitteilungen
20.01.2010
In vivo veritas
Neu gegründeter Bayerischer Forschungsverbund FORPROTECT
entwickelt neue Genom-basierte Diagnostikverfahren und
Therapieansätze für die Bekämpfung von
Infektionskrankheiten und Krebs
Am 14.01.2010 fand das erste Kick-Off-Meeting des neuen
Bayerischen Forschungsverbundes FORPROTECT statt. Sein Ziel ist es,
neue Genom-basierte Diagnostik- und Therapie-Lösungen zu
entwickeln, die große Fortschritte bei der Bekämpfung
von bakteriellen und viralen Infektionskrankheiten wie bestimmte
Krebsarten, Herpes und Krankenhausinfektionen mit Aspergillus und
Pseudomonas ermöglichen. Das mit einem Budget von 2,6
Millionen EUR dotierte Projekt ist auf eine dreijährige
Laufzeit ausgelegt. In dem von der Bayerischen Forschungsstiftung
geförderten Forschungsverbund arbeiten Wissenschaftler des Max
von Pettenkofer-Instituts (LMU München), des Instituts
für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene (Universität
Regensburg) sowie des Instituts für Medizinische Strahlenkunde
und Zellforschung in Würzburg mit sieben Industrie-Partnern
aus der Biotech-Branche zusammen.
„Der Verlauf der aktuellen Influenza-Pandemie zeigt uns, wie
wichtig zuverlässige Diagnostik-Verfahren, Risikobewertung und
vor allem die schnelle Entwicklung von neuen, hocheffizienten
Impfstoffen sind“, sagt Prof. Ulrich Koszinowski, Sprecher
von FORPROTECT. „Erreger werden zunehmend resistent gegen
bislang wirksame Therapien. Durch unsere Forschungsarbeit wollen
wir dazu beitragen, dass die Medizin auf immer bessere Diagnostik-
und Therapieansätze zurückgreifen kann, um diesen
ständigen Wettlauf gegen die Zeit zu gewinnen. Zusätzlich
möchten wir durch diese Forschungsinitiative die
Attraktivität des Standortes Bayern für den Bereich
Biotechnologie weiter steigern.“
Problematische Analyse von Krankheitserregern
Im Rahmen der Tagung wurden Forschungsprogramme vorgestellt, die
sich unter anderen mit einer wichtigen Voraussetzung für die
Bekämpfung von Infektionskrankheiten befassen: dem Erkennen
von Erregern und ihren Eigenschaften. Das Entschlüsseln dieser
Informationen erfordert die Isolierung und Vermehrung der Erreger
in vitro. Dieser Prozess ist allerdings fehlerbehaftet, denn im
Patienten verhalten sich Bakterien und Viren anders als im
Reagenzglas. Tatsächlich beeinflussen Faktoren wie die
Gewebe-Eigenschaften des erkrankten Wirts und das Zusammenspiel mit
anderen Erregern die Ausbreitung des zu beobachtenden Keimes. So
hängen das Entstehen und der Verlauf einer Krankheit stark mit
der lokalen Umgebung zusammen. Die Anforderungen an eine protektive
Immunantwort des Organismus sind daher entsprechend spezifisch und
komplex.
Genom-basierte Lösungsansätze für Diagnostik
und Therapie
Die Forschungsarbeit im Rahmen von FORPROTECT wird sich um acht
konkrete Projekte in drei Themenbereichen organisieren, in denen
Industrie und Wissenschaft eng zusammen arbeiten:
-Im Bereich der bakteriologischen Diagnostik werden in drei
Projekten neue Verfahren der Proteinanalyse anhand von sogenannten
MALDI-TOF-Analysatoren (Matrix Assisted Laser
Desorption/Ionisation) entwickelt. Diese Systeme dienen der
Massenanalyse chemischer Verbindungen und ermöglichen die
Ermittlung von immer präziseren Expressionsprofilen von
Bakterien. Durch Expressionsprofile können Wissenschaftler
analysieren, welche Gene in einer bestimmten Situation
tatsächlich in Proteine übersetzt werden. Unter
Berücksichtigung des in vivo-Milieus können so die
Proteine identifiziert werden, die eine Erkrankung definieren.
Diese Erkenntnisse eröffnen neue Wege für weitere,
hochmoderne diagnostische Verfahren.
-Der Bereich der virologischen Diagnostik hat sich unter anderen
die Verbesserung von Impfstoffen als Ziel gesetzt. Die Forscher
wollen innerhalb von zwei Projekten neue verfeinerte Verfahren der
T-Zell-Analyse entwickeln und so spezifische virale Epitop-Muster
definieren. Hierbei steht die Beschreibung viraler Proteine im
Vordergrund, die nur in bestimmten Zelltypen oder Geweben wirken.
Diese Forschungsergebnisse können Grundlagen für neue
Diagnostik-Verfahren und erfolgreiche Impfstoffentwicklungen
darstellen.
-Ein aus drei Projekten bestehender Therapie-Verbund möchte
durch die gezielte genetische Veränderung von
Krankheitserregern gewünschte biologische Eigenschaften wie
Replikation, veränderte Zellspezifität und Expression von
Prodrugs oder anderer Effektormoleküle erzielen. Als Prodrug
wird ein inaktiver oder wenig aktiver pharmakologischer Stoff
bezeichnet, der erst durch Verstoffwechselung im Organismus in
einen aktiven Wirkstoff überführt wird. Die modifizierten
Bakterien oder Viren können direkt als Impfstoff oder als
Vektor (Transfer des Wirkstoffes) zu therapeutischen Zwecken
verwendet werden.
Weitere Informationen zu FORPROTECT finden Sie in Kürze unter:
www.bayfor.org/forprotect
Zu den Bayerischen Forschungsverbünden
FORPROTECT ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft der Bayerischen
Forschungsverbünde, abayfor, die seitens der Bayerischen
Forschungsallianz (BayFOR) in einem eigenen Geschäftsbereich
betreut wird. Die BayFOR setzt sich als gemeinnützige
Gesellschaft für die Förderung des Wissenschafts- und
Innovationsstandortes Bayern im Forschungsraum Europa ein. In
Bayerischen Forschungsverbünden arbeiten Wissenschaftlerinnen
und Wissenschaftler aus verschiedenen Hochschulen und zum Teil auch
aus Unternehmen interdisziplinär zusammen, um komplexe
Fragestellungen in zukunftsrelevanten Bereichen zu beantworten.
Durch die Kooperation im Verbund wird eine Bündelung und
Vernetzung der bayernweit bestehenden Kompetenzen erreicht. Weitere
Informationen zu den bayerischen Forschungsverbünden finden
Sie unter www.bayfor.org/forschungsverbuende.
Kontakt FORPROTECT:
Professor Dr. Ulrich Koszinowski
LMU München
Max von Pettenkofer-Institut, Virologie
Pettenkoferstr. 9a
80336 München
Tel: +49-89-5160 5290
Fax: +49-89-5160 5292
Email:
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