Optionssteigerung durch produktive Selbstbeschränkung? Resiliente Strukturen experimenteller Institutionalisierung

Ludwig-Maximilians-Universität München, Institut für Soziologie


In der Spannung zwischen Fakten und Möglichkeiten geraten wir in ständig neuen Entscheidungsdruck und damit in Begründungs- und Rechtfertigungs-zwänge. Wenn wir uns Störungen nicht mehr passiv ausgeliefert fühlen, sondern sie als (beeinfluss- und vermeidbare) Risiken wahrnehmen, werden Entscheidungen zum ausschlaggebenden Faktor. Immer mehr Tatbestände verändern sich so von der unbeeinflussbaren Gefahr zum gesellschaftlich erzeugten und verantworteten Risiko. In der Folge wachsen gesellschaftliche Entscheidungszwänge ebenso wie das Ausmaß der Verunsicherung.

Vor diesem Hintergrund haben moderne Gesellschaften juristische Prozeduren institutionalisiert, um derartige Entscheidungsprobleme besser bewältigen zu können. Das Recht kann in diesem Sinne als Prototyp einer resilienten Struktur angesehen werden. Allerdings stellt sich die Frage, ob und wie das Recht selbst auch einem Wandel unterliegt, der seine "Resilienzreserven" aufzuzehren droht. Das Forschungsprojekt geht von der Hypothese aus, dass in neuartigen Formen struktureller Selbstbegrenzungen des Rechts auch Chancen für neue Entscheidungsoptionen liegen.
 
Die Problemstellung wird an zwei ausgesuchten Fallbeispielen des Risiko-rechts (Chemie und Biomedizin) untersucht. In beiden Fällen lässt sich nachweisen, dass die Rechtslage zu einer deutlichen Selbstbindung führt und Entscheidungen entsprechend beeinflusst. Entstehen durch mehr Freiraum bei Entscheidern neue Optionen oder eher Überforderung und intransparente Entscheidungsmuster?

Immer häufiger sind Akteure gezwungen, ad-hoc zu reagieren, ohne sich dabei auf Standardannahmen verlassen zu können. Verantwortung, Transparenz und Partizipation liefern so häufig Basis für Entscheidungen. Aber ein Zuviel an Transparenz kann die Entscheidungsfähigkeit wieder mindern, ein Zuviel an Partizipation Desinteresse an politischen Prozessen auslösen.
Kann das geltende Rechtssystem unter mehrdeutigen, riskanten Bedingungen regulierend wirken und zur Stabilisierung mehrdeutiger Situationen beizutrage? Bilden sich neuartige Rechtsformen aus? Am Beispiel medizinischer Ethik-kommissionen wie auch aktueller Veränderungen im Risikoverwaltungsrecht (im Bereich der Chemie) wird das Forschungsprojekt diese Frage untersuchen.
 









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Status:
laufend


Projektleitung:
PD Dr. phil. Dipl.-Ing. Stefan Böschen
Dr. Stefan May


Wissenschaftler:
M.A. Simona Wieser

Gründungsdatum:
06.2013

Ende:
12.2017