Zuwanderung auf Zeit: Inpatriates und Wissensaustausch in multinationalen Unternehmen

Fragestellung:

Die Dynamik moderner Gesellschaften wird vorrangig durch Innovationsfähigkeit und Produktion neuen Wissens bestimmt. Der Beitrag von Zuwanderern für die Entwicklung der Wissensgesellschaft fand in Deutschland jedoch bislang kaum Beachtung. In der deutschen Öffentlichkeit wird Zuwanderung vielmehr als Belastung, denn als Chance für Arbeitsmarkt, Sozialsystem und Zusammenleben gesehen.

Lediglich in einzelnen Bereichen wird das Potenzial der Zuwanderer bereits erkannt und genutzt. International operierende Unternehmen wissen, dass es ihnen Wettbewerbsvorteile verschaffen kann, wenn sie erfolgreiche Praktiken unternehmensweit einsetzen oder wenn aus unterschiedlichen Wissensbeständen neues, einzigartiges Wissen entsteht. Dabei sind Auslandsentsendung, d.h. eine Aus- oder Einwanderung auf Zeit, von zentraler Bedeutung. Die Entsandten fungieren als Träger und Vermittler von spezifischem Wissen in verschiedenen Unternehmensteilen und -standorten.

Bislang mangelt es jedoch an Modellen und Untersuchungen zur Frage, wie die Zuwanderer Wissen erwerben, weitergeben und zur Konstruktion neuen Wissens in der Gesellschaft beitragen.

Unser Forschungsprojekt konzentriert sich auf zeitlich befristet nach Deutschland entsandte, ausländische Mitarbeiter, sog. Inpatriates, und deren Wissensaustausch mit deutschen Kollegen. Von Interesse sind dabei folgende Frage:
-->Welches Wissen wird transferiert?
-->Über welche Medien erfolgt der Wissensaustausch?
-->Welche Faktoren im Unternehmen fördern bzw. behindern den Wissensaustausch?
-->Welche Faktoren bei den Akteuren fördern bzw. behindern den Wissensaustausch?
-->Wie wird das neue Wissen in die vorhandene Wissensbasis integriert?
-->Und wie erfolgreich ist der Wissensaustausch?
Um diese Fragen zu beantworten werden Inpatriates und deren deutsche Kollegen in verschiedenen deutschen Großunternehmen sowie mittelständischen Unternehmen befragt. Die Aussagen werden später genau analysiert, um eine Modell zum Wissensaustausch zu erstellen und zu überprüfen.

 Methode:

-->Fokusgruppeninterviews mit Inpatriates und deutschen Mitarbeitern, anschließend inhaltsanalytische Auswertung der Interviews
-->Entwicklung eines Rahmenmodells zur Übertragung und Integration von Wissen bei Kontakten zwischen Inpatriates und deutschen Mitarbeitern
-->Fragebogenuntersuchung an Inpatriates und deutschen Mitarbeitern zur Überprüfung des Rahmenmodells

Anwendungsbezug:

Das Ziel des Forschungsprojekts ist einerseits die Entwicklung und Überprüfung eines Modells zum Wissensaustausch von Mitarbeitern verschiedener Nati­onalität und Kulturzugehörigkeit im Unternehmenskontext. Andererseits werden Ansatzpunkte für die Verbesserung dieses Wissensaustauschs er­wartet, welche nicht nur inner­halb, sondern gegebenenfalls auch außer­halb des Unterneh­menskontexts eine Intensivierung des Wissensaus­tauschs zwischen Ein­heimischen und Zuwanderern ermöglichen.

 

 

 

 

 

 

 









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Status:
laufend


Projektleitung:
Prof. Dr. Torsten M. Kühlmann


Wissenschaftler:
Dipl. Psych. Antje Schramm

Gründungsdatum:
09.2009

Ende:
01.2013