Öffentliche Veranstaltungen als Orte performativer Vermittlung migrantischen Wissens - fokussierte ethnographische Studie und videoanalytische Auswertung

Das Projekt widmet sich aus wissenssoziologischer Perspektive der performativen , also darstellerischen, Dimension migrantischen Wissens.

Damit rückt der Vorgang der Wissenskommunikation zwischen Migranten und Vertretern der Aufnahmegesellschaft ins Zentrum. Das Projekt wird sich insbesondere mit denjenigen Wissensformen befassen, die schwerer verbalisierbar und kaum forma­lisierbar sind. Zur Erschließung dieser – im weitesten Sinne – inkorporierten Wissens­bestände wird mit der Videoanalyse ein methodisch neuartiger Zugang angesetzt.


Dazu werden fokussierte videoethnografische Studien von sozialen Veranstaltungen durchgeführt. Soziale Veranstaltungen (im Sinne Goffmans) sind gekennzeichnet durch das situierte Zusammentreffen und Zusammenhandeln von Menschen face-to-face. Zu den hier interessierenden sozialen Veranstaltungen zählen etwa Versammlungen, ethnische Festivitäten und religiöse Zeremonien, die im Feld der Migration stattfinden.


Das Projekt verfolgt dabei eine zweistufige Fragestellung.

Erstens soll bestimmt werden, wie migrantisches Wissen im Rahmen sozialer Veranstaltungen öffentlich und halböffentlich kommuniziert und präsentiert wird. Diese wesentlich deskriptive Ebene umfasst die Bestimmung der Arten, Formen und Mitteilungsweisen migrantischer Wissensbestände. Deren Erhebung erfolgt vermittels fokussierter ethnografischer Beobachtungen und videografischer Daten-sammlung, weil sich diese Wissensbestände als verkörpertes Wissen konventio-nelleren methodischen Zugängen weitgehend verschließen. Dabei kommen vor allem die Interaktionsformen der Wissenskommunikation in den Blick, die videografisch erfasst und gattungsanalytisch analysiert werden.


In einem zweiten Schritt soll auf dieser Grundlage eine Typologie spezifisch mi­grantischer Wissensformen erarbeitet werden, die sich auf diesen Kontext beziehen. Als Orte der Darstellung und Begegnungen kommt sozialen Veranstaltungen wie religiösen und zivile Festivitäten, nationalkulturellen und ethnischen Versammlungen, Treffen und informelle Begegnungen eine besondere Rolle zu, die sich nicht allein auf die Festigung von Gruppenidentität in der Diaspora beschränkt. Vielmehr stellen diese Veranstaltungen eben­so sichtbare Kontakt- und Begegnungszonen zur einheimischen Wohnbevölkerung dar, in denen sich Wissensaustausch vielfältigster Art vollzieht.

 

 

 

 

 

 

 

 



Projektpartner:
Abteilung Forschung im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF)







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Status:
laufend


Projektleitung:
Prof. Dr. Bernt Schnettler


Wissenschaftler:
M.A. Bernd Rebstein

Gründungsdatum:
09.2009

Ende:
01.2013