FOROST - Arbeitsfeld

1.II Kulturen im Postsozialismus: Voraussetzungen und Veränderungen (beendet 2003)



Die wirtschaftlichen, rechtlichen und politischen Veränderungen in den postsozialistischen Ländern stehen in aller Regel im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Ihre unmittelbare Relevanz, etwa im Fall von Rechtsunsicherheit bei wirtschaftlichen Transaktionen mit Osteuropa, die zugleich größte Risiken für die beteiligten Partner aus dem Westen mit sich bringen, steht außer Zweifel. Nicht weniger außer Zweifel steht aber die Relevanz von kulturellen Veränderungen für wirtschaftliche, rechtliche und politische Fortschritte in den postsozialistischen Staaten. Diese Bedeutung der kulturellen Veränderungen wird dadurch virulent, dass sie mittelbar ist und deshalb häufig unterschätzt wird. Doch wie wenig z.B. neue Verfassungsnormen mit der Rechtswirklichkeit Russlands zu tun haben, erklärt sich aus der Tradition der übermächtigen Stellung des einen Herrschers im Lande. Die nachgeordnete Rolle von Parteien, die demokratischen Entwicklungen entgegen steht, lässt Unwägbarkeiten bei politischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Kontakten ins Unerträgliche steigen. Das Projekt zu den kulturellen Voraussetzungen und Veränderungen erforscht deshalb Kontinuitäten und Diskontinuitäten der gesellschaftlichen Entwicklung. Dabei kommt heute der Herausbildung von Merkmalen moderner Zivilgesellschaften in den Transformationsländern eine zentrale Rolle zu. Erst stabile Zivilgesellschaften vermögen langfristig die Stabilität der wirtschaftlichen, rechtlichen und politischen Beziehungen zu den Transformationsländern zu garantieren, nicht aber Verfassungen, die keiner politischen und gesellschaftlichen Wirklichkeit entsprechen. Erst wenn die in der Geschichte vorhandenen Traditionen der civil societies, aber auch deren aktuelle Defizite und (neue) Gefährdungen, aufgezeigt werden, kann der Westen berechenbare Partner finden und gezielte Unterstützung leisten. Der Kernbereich der Forschung umfasst deshalb die Zivilgesellschaften und den aktuellen Identitätswandel in den “Transformationsländern”. Dieser basiert auf Konstrukten von Eigen- und Fremdwahrnehmung. Von Relevanz ist dabei der Bruch, aber auch die Kontinuität von sozialistischer und postsozialistischer Wahrnehmung. Die neuen Zivilgesellschaften und der Identitätswandel werden innerhalb der Länder, außerhalb, etwa in der Emigration, aber auch in der Interaktion zwischen den Ländern untersucht. Drei Aspekte bzw. Ziele stehen im Vordergrund: (1) Identitätswechsel auf dem Weg zur Zivilgesellschaft: das Individuum in seinem Wandel vom Objekt staatlichen Handelns zum Subjekt (religiös-ethische, historische Identität; individuelle Wahrnehmung des anderen). (2) Konfliktpotentiale und Konfliktvermeidung: Spannung zwischen nationaler und postnationaler (zivilisatorischer) “Wiedergeburt” (Pluralismus der Kulturtypen, der Kirchen, Sprachen, Geschichtskonzepte). (3) Individuell-differenzierte Sicht der Transformationsländer durch den Westen (Evolution wechselseitiger Wahrnehmungen West/Ost; Ende nationaler Stereotypen).

Projekte:

  • 1.II.1 Untersuchungen zum Sprachbewußtsein in Kroatien
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  • 1.II.2 Die Rolle der Geschichte und des Geschichtsbewußtseins in der Ukraine nach dem Zerfall der Sowjetunion
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  • 1.II.3 Das Bild Europas in den Schulbüchern der Ukraine. Von den bisherigen Stereotypen zu neuen Sichtweisen
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  • 1.II.4 Sprach-, und Kulturwechsel in Mittel- und Osteuropa (nach 1968) als Modelle transnationaler Identitäten
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  • 1.II.5 Das Deutschland- und das Russlandbild in der polnischen Nachkriegsliteratur im Spannungsgefüge zwischen Bruch und Kontinuität
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  • 1.II.6 Kulturverständnis im postsozialistischen Russland: Modelle und Traditionen
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  • 1.II.7 Kirchen im Spannungsfeld politischer Transformationen. Soziokulturelle Wirkungsgefüge der Kirchen in der Ukraine von 1944 bis zur Gegenwart
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    Gründungsdatum:
    03.2001

    Ende:
    05.2008