2.III.2 Die Priester und orthodoxen Kirchengemeinden als Faktoren sozialer Integration in der Transformationsgesellschaft: kulturelle Traditionen und zivilgesellschaftliches Potenzial in Bulgarien

Arbeitsfeld:
2.III Zivilgesellschaft als Integrationsfaktor



Das Projekt beleuchtet die Rolle von Priester und Kirchengemeinde (Orthodoxe Kirche) in Bulgarien in ihrer jeweiligen unmittelbaren Umgebung, also dem Dorf oder der Stadt. Gefragt wird dabei u.a. nach zivilgesellschaftlichen und im weitesten Sinne politischen Einflußmöglichkeiten des Priesters und der Kirchengemeinden und nach ihrem Verhältnis zu den weltlichen Institutionen. Damit wird erstmals die Rolle der Kirche in Bulgarien "von unten" betrachtet. Das Projekt gliedert sich in zwei Teile: eine historische Unterschung der Vorbedingungen (ab 1920) und eine auf Interviews mit aktiven Priestern beruhende soziologisch-kulturanthropologische Untersuchung des gegenwärtigen Zustands. Damit sollen Aussagen zum zivilgesellschaftlichen Potential der kirchlichen Strukturen im postsozialistischen Bulgarien gefunden werden. Die EU-Integration der osteuropäischen Länder ist verbunden mit Transfer von Institutionen, Methoden und Denkweisen. Sie zielt auf politische Stabilisierung u.a. durch Stärkung der Zivilgesellschaft. Ein bisher vernachlässigter Faktor sind dabei die orthodoxen Kirchen, die, wenn auch in sozialistischer Zeit geschwächt, ein institutionelles und kulturelles Fundament ihrer jeweiligen Gesellschaften bilden. Bei der europäischen Integration sollten auch die in der religiösen Sphäre angesiedelten zivilgesellschaftlichen Ansätze (Wertesystem, demokratische Traditionen in der Gemeindeleitung, bürgerschaftliches Engagement v.a. auf sozialem Gebiet) genutzt werden. Dazu ist aber notwendig, historische Bedingungen und gegenwärtige Lage zu klären. Das Projekt liefert einen Beitrag dazu, indem es die Rolle von Kirche/Priester/Kirchengemeinde in der bulgarischen Dorf- bzw. Stadtgemeinde beleuchtet. Dadurch werden diese auch als mögliche Kooperationspartner für den Prozeß der europäischen Integration erfasst. Die Untersuchung konkreter Fallbeispiele in diachronen Schnitten von der Zwischenkriegszeit bis zur Gegenwart wird dabei das Material bieten für allgemeingültige Aussagen, die in Handlungsempfehlungen für langfristige Stabilitätspolitik münden können. Die Untersuchung wird zeigen, wie und wo in der Welt des orthodoxen Christentums (hier am Beispiel Bulgariens) zivilgesellschaftliche und demokratische Traditionen außerhalb des staatlichen Sektors vorliegen, aber auch, wo mit Defiziten zu rechnen ist. Einige Leitfragen der Untersuchung sind: Welche Rolle spielen Priester, Ehefrau des Priesters und Kirchengemeinderat in der Gemeinde? Welchen politischen/ideologischen Einflüssen sind sie ausgesetzt? In welchem Maße üben sie politischen/ideologischen Einfluss aus? Wie sind kirchliche und weltliche Gemeinde institutionell verzahnt? Das Projekt gibt Aufschluss zu bisher meist unbeachteten Aspekten der Gesellschaft in Bulgarien und der orthodoxen Welt insgesamt. Es liefert damit Hintergrundwissen für die Prozesse der europäischen Integration, insbesondere für den Aspekt des Ausbaus zivilgesellschaftlicher Strukturen. Laufende Initiativen auf wirtschaftlichem, administrativem und kulturellem Gebiet mit dem Ziel der politischen Stabilisierung erhalten durch das Projekt Grundlagen für die Einbeziehung des Faktors Kirche. Das Thema ist eng verflochten mit Fragen der Kommunalpolitik und kann daher auch auf dieser Ebene zu einer intensivierten Ost-West-Zusammenarbeit europäischer Regionen beitragen. Aus dem Forschungsteam kann ein Beratungs-Pool für Fragen von Kirche und Lokalverwaltung in Bulgarien aufgebaut werden, das die vorhandenen diesbezüglichen Ansätze in Bayern stärken wird.







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Status:
laufend


Projektleitung:
Prof. Dr. Edgar Hösch


Wissenschaftler:
M.A. Christian Geiselmann
M.A. Petar Kanev

Gründungsdatum:
03.2001

Ende:
05.2008