2.III.4 Fremd- und Selbsbilder von Jugendlichen im deutsch-tschechischen und im deutsch-polnischen Vergleich

Arbeitsfeld:
2.III Zivilgesellschaft als Integrationsfaktor



Das Projekt erforscht mit Hilfe qualitativer Interviews die bestehenden Fremd- und Selbstbilder bei deutschen, tschechischen und polnischen Jugendlichen. Damit leistet es einen Beitrag zur Förderung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit und des Vertrauens zwischen den Bevölkerungen der betroffenen Regionen. Der laufende Modernisierungsprozess in Ost und West wird von einer sich rasch verändernden wechselseitigen Wahrnehmung begleitet. Das Forschungsprojekt zielt ab auf die deutsch-tschechischen und deutsch-polnischen Fremd- und Selbstbilder bei der heranwachsenden jüngeren Generation im Alter von etwa 16 bis 26 Jahren, die im grenznahen Raum lebt. Da für jegliche Form der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit ein wechselseitiges Vertrauensverhältnis die entscheidende Grundlage bildet, leistet die Untersuchung einen Beitrag zur Lösung sozio-kultureller Probleme, die im Zusammenhang mit der gegenseitigen Wahrnehmung bestehen. Gerade die Jugendlichen gelten als Hoffnungsträger, wenn es um die Verständigung und Zukunft zwischen den drei Staaten mit einer „schwierigen“ gemeinsamen Geschichte geht. Grundlage der Untersuchung bildet eine Erfassung der Fremd- und Selbstbilder bei deutschen, tschechischen und polnischen Jugendlichen im grenznahen Raum. Methodisch handelt es sich um ein empirisches Feldforschungsprojekt. Um eine differenzierte Vorstellung von den Fremd- und Selbstbildern der Jugendlichen zu gewinnen, werden qualitative Interviews geführt. Mit dem direkten Kontakt zu den Jugendlichen wird ein hohes Maß an Aktualität und Unmittelbarkeit erreicht. Dabei werden, über die verbale Ebene hinaus, möglichst vielfältige Ausdrucksformen in die Untersuchung mit einbezogen. Neben dem Lebensstil finden auch Körpersprache und ritualisierte Verhaltensformen Berücksichtigung. Hinzugezogen werden ferner jene Medien, die sich für die Jugendlichen als Informationsträger oder Wertevermittler als relevant erweisen. Der Ansatz des Forschungsprojektes richtet sich dabei sowohl auf das kulturell Trennende als auch Verbindende. Im ersten Schritt muss ein den Erkenntniszielen adäquates Fragekonzept entwickelt werden. Berücksichtigung finden sollen hierbei auch jene Aspekte und Erlebnisse, die für die Jugendlichen von zentraler Bedeutung für eine Wertschätzung der eigenen und fremden Kultur sind. Dieser Kontext wird für eine sachgerechte Analyse und den systematischen Vergleich der Fremd- und Selbstbilder benötigt. Es wird ein Sample von Aspekten entwickelt, das im Zentrum der Befragung stehen wird. Zur Herstellung entsprechender Kontakte bietet sich im deutsch-tschechischen Bereich eine Kooperation mit dem Koordinierungszentrum deutsch-tschechischer Jugendaustausch TANDEM mit Sitz in Regensburg und Pilsen an. Die gleiche Funktion kann im deutsch-polnischen Bereich das Deutsch-Polnische Jugendwerk mit Sitz in Potsdam und Warschau übernehmen. Zudem bestehen Kontakte zum Lehrstuhl von Frau Prof. Smolińska an der Universität Oppeln. Eine enge Zusammenarbeit ist außerdem mit den Euregios geplant. Bei der anschließenden Auswertung der dokumentierten Befragungsaktionen müssen die länderspezifischen Wahrnehmungsmuster herausgearbeitet, typisiert und miteinander verglichen werden. Daraufhin gilt es, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Fremd- und Selbstbilder nach ihren kulturellen Wertigkeiten zu hinterfragen. Welche Bedeutung besitzen beispielsweise Konsumdenken (der Besitz bestimmter Autos, Handys oder von Markenkleidung), Freizeitverhalten oder Lebensstile? Das Erkenntnisinteresse richtet sich auf Eigenschaften, die Jugendliche sich oder den Nachbarn jenseits der Grenze zuschreiben. Den nächsten Schritt stellt die Betrachtung der Ergebnisse des Kulturvergleichs in einem umfassenderen Diskussionszusammenhang dar. Das gilt zunächst in zeitlicher Hinsicht. Zum Vergleich von Stereotypen heutiger Jugendlicher und früherer Generationen - es gilt z. B. zu klären, ob und in welcher Weise sich die heutigen Vorstellungen im Vergleich zur Eltern- und Großelterngeneration verändert haben - werden einschlägige Untersuchungen und Dokumente (beispielsweise Karikaturen) herangezogen. Vor diesem Hintergrund soll eine Annäherung an den aktuellen Diskurs zur Frage der Stabilität tradierter kultureller Muster in der Moderne stattfinden: Lässt sich beispielsweise die umstrittene Einschätzung, dass wir in einer posttraditionalen Gesellschaft leben, so Anthony Giddens, durch die Untersuchung erhärten? Sind wir auf dem Weg zu einer postnationalen, transkulturellen Gesellschaft, in der antiquierte länderspezifische Stereotypisierungen unter Jugendlichen weitgehend überholt sind? Oder kann man im Zeichen einer zunehmenden Entgrenzung einen eher gegenläufigen Trend ausmachen? Die Untersuchungsergebnisse werden in der Schriftenreihe des Lehrstuhls für Vergleichende Kulturwissenschaft Regensburg publiziert werden, und die Thematik wird in das Lehrangebot des Faches aufgenommen. Zudem ist eine Präsentation der Fremd- und Selbstbilder im Rahmen einer Studienausstellung geplant, um die Ergebnisse einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen und weiterführende Impulse zu liefern. Damit wird ein Beitrag zur Vertrauensbildung zwischen Deutschen, Polen und Tschechen geleistet.







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Status:
laufend


Projektleitung:
Prof. Dr. Daniel Drascek


Wissenschaftler:
M.A. Anita Unterholzner

Gründungsdatum:
03.2001

Ende:
05.2008