1.II.5 Das Deutschland- und das Russlandbild in der polnischen Nachkriegsliteratur im Spannungsgefüge zwischen Bruch und Kontinuität

Arbeitsfeld:
1.II Kulturen im Postsozialismus: Voraussetzungen und Veränderungen (beendet 2003)



Literatur ist auch ein Substrat emotionaler Inhalte und Vorstellungen vom anderen Volk und Zugleich Ausdruck der jeweiligen politischen Tendenzen und Ziele. Sie ist Zeugnis für bestehendes Interesse an den Kultur- und Lebensrealien des jeweiligen Volkes, sie ist aber auch ein subtiles Barometer für politische Stimmungen und ethische Wertungen. Im Bild vom anderen Volk spiegeln sich Ziele und Einstellungen einzelner Autoren; im staatlich gelenkten Literaturbetrieb tritt dieses vom Individuellen geprägte Bild hinter die Interessen der gesellschaftlichen Institutionen zurück. Im sozialistischen Literaturbetrieb kommen im Deutschland- und Russlandbild nahezu ausschließlich staatliche Interessen zum Ausdruck. Deutschland und Russland bzw. die Sowjetunion bilden v.a. in Folge der Kriegs- und Nachkriegsereignisse ein zentrales Thema in der polnischen Literatur nach 1945. Bedingt durch die jeweilige politische Konstellation wurde dieses Bild von traditionellen, aber auch neu entstandenen mehr oder weniger stereotypen Vorstellungen beeinflußt. Bis zur Wende spiegelte sich im Deutschlandbild die politische Teilung mit den ihr inhärenten ideologischen Implikationen. Traditionell oszilliert das Geschichtsbewußtsein Polens zwischen den Machtblöcken Deutschland und Russland bzw. Sowjetunion. Das Bild von Deutschland und Russland bzw. der Sowjetunion spiegelt in einem sehr hohen Maße die unterschiedlichen politischen und ideologischen Entwicklungen Polens nach 1945. Das hier geplante Forschungsvorhaben möchte einerseits die Grundzüge des Deutschland- und Russlandbildes aufzeigen, andererseits die Funktion und die Instrumentalisierung dieses Bildes durch staatliche und kulturpolitische Interessen ausleuchten. Das aus ideologischen Motiven manipulierte Deutschlandbild erhält seine besonderen Konturen in Anbetracht der Tatsache, dass besonders in den 50er und 60er Jahren eine grundsätzlich positive und eine ausgesprochen negative Variante gegenüberstehen, die der DDR und die der Bundesrepublik Deutschland. Einer kritischen Betrachtung bedürfen auch die in Polen von 1945 bis 1990 publizierten Untersuchungen zum Deutschland- und Russlandbild, denn auch sie waren den ideologischen Zwängen unterworfen. Außer der Prosa soll auch versucht werden, die angewandten poetischen Verfahren in der Lyrik und im Drama bei der Präsentation des Deutschland- und Russlandbildes auszuleuchten. Grundsätzlich wird das Forschungsinteresse Texten gelten, in denen innerhalb der gesellschaftlichen Funktion die Wertungsfunktion dominant ist. Neben den Grundzügen, die das Deutschland- und Russlandbild prägen sollen die politische und ideologische Motivation sowie der instrumentale Status der kolportierten Stereotypen erschlossen werden. Die anzuwendenden methodologischen Verfahren werden in Zusammenarbeit mit dem Institut für Deutschlandkunde an der Universität Lodz präzisiert.







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Status:
laufend


Projektleitung:
Prof. Dr. Heinz Kneip


Wissenschaftler:
Rita Jeromin

Gründungsdatum:
03.2001

Ende:
05.2008