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GESUNDER UMGANG MIT DIGITALEN TECHNOLOGIEN UND MEDIEN

Stressbezogene Medienpraktiken im freizeitbezogenen Medienalltag

Arbeitsfeld:

Cluster A: Analyse des individuellen wie kollektiven Umgangs mit digitalen Technologien und Medien vor dem Hintergrund situations- und personenspezifischer Diversität

 

Qualitative Analyse stressbezogener Medienpraktiken im freizeitbezogenen Medienalltag

Projektleitung: Prof. Dr. Jeffrey Wimmer (Professur für Kommunikationswissenschaft mit Schwerpunkt Me-dienrealität/Universität Augsburg)

Kurzbeschreibung des Vorhabens:

Über die konkreten stressbezogenen Nutzungsweisen von DTM im Alltag und die sozialen Auswirkungen dieser Entwicklungen wissen wir bisher sehr wenig. Grundsätzlich ist festzustellen, dass die empirische Forschung sich bisher – auch gerade der öffentlichen Debatte folgend – auf die Analyse der zeitintensiven Online-Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen und deren Implikationen konzentriert hat, weniger auf die spezifischen Mediengewohnheiten der erwachsenen Mediennutzerinnen und -nutzer. Damit fehlen auch gesicherte Wissensbestände als Grundlage für die Entwicklung von Konzepten zum Umgang mit entsprechenden Stresserscheinungen in Familien, öffentlichen Bildungseinrichtungen, Schulen etc. Im Rahmen der übergreifenden Forschungsfrage fokussiert das Projekt auf folgende Dimensionen und damit verbundene Fragestellungen im freizeitbezogenen Alltag: (1) Bedeutung: Welche Formen von digitalem Stress nehmen Mediennutzerinnen und -nutzer wahr und wie bewerten sie diese? (2) Praktiken: Wie ist digitaler Stress in den freizeitbezogenen Alltag der Nutzernnen und Nutzer eingebunden und wie gehen sie damit um? (3) Kontexte: Welche Rolle spielen bestimmte Kontextfaktoren (u. a. Mediensozialisation, Medienkompetenzen, Peers sowie wahrgenommene Mediendiskurse) auf die Wahrnehmung von und den Umgang mit digitalem Stress?
Grundlegend für die Studie ist ein kontextualisierendes Verstehen und Analysieren alltagsbezogener Mediennutzung. Es kommt ein mehrstufiges qualitatives Analysekonzept zum Einsatz. Dies gewährleistet nicht nur, dass die ambivalenten Potenziale von DTM berücksichtigt werden, sondern auch, dass die freizeitbezogenen DTM-Nutzungsrepertoires in ihrer vollen Komplexität in den Blick genommen werden. Die geplante Untersuchung besteht aus folgenden methodischen Elementen: Tiefeninterviews geben einen Einblick in die verschiedenen exemplarischen Nutzungssituationen und -determinanten, Gruppendiskussionen in die Bedeutung „stressbezogener“ DTM-Nutzung im Kontext der Peer-Group. Eine parallel dazu stattfindende eineinhalbjährige medienethnografische Untersuchung (Tagebuchverfahren, Beobachtung, Mobile Experience Sampling) dient dazu, der oft beobachtbaren Diskrepanz zwischen Selbstauskunft und realem Medienhandeln der Mediennutzerinnen und -nutzer auf den Grund zu gehen. Die Probandinnen und Probanden werden hierfür aus zwei prototypischen Nutzergruppen rekrutiert: (1) „Pioniere des Medienwandels“ wie z. B. Managerinnen und Manager oder Informatikerinnen und Informatiker, die DTM in hoher Intensität für ihre Arbeit nutzen, sowie (2) Rentnerinnen und Rentner, die tendenziell einen weniger stark ausgeprägten Bezug zu DTM haben.
Die Untersuchungsergebnisse erlauben es, die subjektive Wahrnehmung von digitalem Stress in der Freizeit in mehrfacher Weise darzustellen. In der Literatur beschriebene digitale Stressoren werden mit einer Typologie von subjektiv empfundenen Stressoren und dazugehörigen Medienpraktiken und -routinen kontrastiert. Der Wandel der stressbezogenen Nutzung von DTM kann als Bestandteil von sozialen Aushandlungs- und Konstruktionsprozessen im Alltag aufgeschlüsselt werden. Der Vergleich der beiden Fallgruppen ermöglicht darüber hinaus eine Rekonstruktion grundlegender Mechanismen ökonomischer und alltagskultureller Wandlungsprozesse und erlaubt die Ableitung medienpädagogischer Handlungsanweisungen für verschiedene gesellschaftliche Nutzergruppen.

Projektpartner:

Informationen

Gründungsdatum

06.2019

Ende

05.2023

Gefördert durch

Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst