FORIPS

BAYERISCHER FORSCHUNGSVERBUND INDUZIERTE PLURIPOTENTE STAMMZELLEN

Neurologische und psychiatrische Erkrankungen stellen eine große therapeutische, soziale und gesundheitsökonomische Herausforderung dar. Die Folgen dieser Erkrankungen führen zu schweren Beeinträchtigungen der Betroffenen mit weitreichenden persönlichen und gesellschaftlichen Konsequenzen, sodass eine dringende Notwendigkeit für neue, verbesserte Behandlungsmöglichkeiten besteht.
Erkenntnisse zur Krankheitsentstehung sowie Ansätze zur Entwicklung neuer Medikamente erhofft man sich von patientenspezifischen, zellulären Krankheitsmodellen auf der Basis von “induzierten pluripotenten Stammzellen“.

Die Reprogrammierung von ausgereiften Körperzellen zu sogenannten „induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS)“ zählt zu den innovativsten biomedizinischen Entwicklungen der letzten Jahre (Nobelpreis für Medizin 2012: Shinya Yamanaka und John B. Gurdon). Dabei werden reife Zellen aus einer Hautprobe des Patienten zunächst zu Stammzellen reprogrammiert, d. h. in ein Stadium der Pluripotenz zurückgesetzt, und danach gezielt in organspezifische Zellen ausgereift.
Mit dieser Technologie generieren die Forscher Zelltypen von humanen Geweben auf individueller Basis. Diese Zellen können als Modell zur Analyse für Krankheitsursachen dienen und die Entwicklung neuer Behandlungsstrategien ermöglichen.

Das Hauptziel von ForIPS ist die Etablierung der iPS- Technologie zur Entwicklung eines Krankheitsmodells für die Parkinson-Krankheit.

Die Projektgruppen in ForIPS untersuchen an Gehirnzellen, die aus iPS von Patienten mit der Parkinson-Krankheit gewonnen werden, die molekularen und zellulären Mechanismen bei der Entstehung des sporadischen Parkinson-Syndroms und erforschen neue therapeutische Ansätze. Hierfür reprogrammieren die Forscher Hautzellen von Parkinson-Patienten und entwickeln diese im Labor zu neuralen Zellen weiter. Die
so gewonnenen Gehirnzellen bieten ein spezifisches Krankheitsmodell.

Ein weiteres, wichtiges Ziel von ForIPS ist der Aufbau einer Biobank mit humanen iPS und die Etablierung der iPS-Technologie an den verschiedenen universitären Standorten in Bayern. Damit soll eine wichtige biomedizinische Plattform zur Erforschung von weiteren Erkrankungen des Gehirns und anderer Organe geschaffen werden.

Die biomedizinische Forschung des Verbundes wird durch zwei bioethische Arbeitsgruppen begleitet. Diese bioethische Begleitforschung greift Fragen auf, die aus der Forschung mit iPS Zellen, der Kommerzialisierung der IPS-Technologie oder darauf basierender Diagnostik und Therapieverfahren und der Translation dieser Technologie in die Klinik entstehen. Der Diskurs zu diesen Fragen soll sowohl innerhalb des Verbundes als auch mit der Öffentlichkeit geführt werden.

Das sporadische Parkinson-Syndrom 

Das sporadische Parkinson-Syndrom, eine komplexe multifaktorielle Erkrankung, stellt nach der Alzheimer-Demenz die zweit-häufigste neurodegenerative Erkrankung weltweit dar. Das Parkinson-Syndrom ist durch typische motorische Symptome wie einer Verlangsamung der Bewegungsabläufe, erhöhte Muskelspannung, Ruhezittern und Standinstabilität gekennzeichnet. Neben der Motorik werden nicht-motorische Symptome wie z. B. Riechstörung, Angst, Schlafstörung und Obstipation beobachtet. Die zu Grunde liegenden Erkrankungsmechanismen sind noch weitgehend unbekannt und die bisherigen Therapieansätze sind nur begrenzt in der Lage die Verschlechterung der Symptome aufzuhalten.


Netzwerk:



Im Forschungsverbund ForIPs arbeiten 15 Projektgruppen von folgenden bayerischen Universitäten zusammen:

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU)

Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU)

Technische Universität München (TU)

Universität Regensburg

Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Institut Technik, Theologie, Naturwissenschaften (TTN) an der LMU München



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