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1.II.6 Kulturverständnis im postsozialistischen Russland: Modelle und Traditionen

Arbeitsfeld:

1.II Kulturen im Postsozialismus: Voraussetzungen und Veränderungen (beendet 2003)

Die Integration Rußlands in europäische Strukturen, seine Anpassung an allgemein zivilisatorische Rechtsnormen und Wertvorstellungen ist nicht nur ein wirtschaftlicher, politischer und sozialer Vorgang, sondern auch ein Prozeß der Veränderung der Mentalität. Eine autonome, ideologiefreie, von den Zielsetzungen des Staates unabhängige Kultur kann als Zeichen und als Voraussetzung gesellschaftlicher Autonomie betrachtet werden. In der Sowjetzeit wurde eine utilitaristische Kulturauffassung propagiert, welche die Kulturerzeugnisse entschieden in den Dienst des Staates stellte. Nach dem Zusammenbruch der UdSSR ergibt sich indes ein eher verworrenes Bild, verschiedene Kulturauffassungen behaupten sich nebeneinander. Innerhalb des traditionell dominierenden utilitaristischen Kulturparadigmas lassen sich wiederum unterschiedliche Modelle unterscheiden (das "imperiale", das "oppositionelle" wie es die revolutionäre russische Intelligencija vertrat, das "avantgardistische"). Das Ziel des Projekts besteht in einer Bestandsaufnahme dieser vier Modelle in ihren gegenwärtigen Entwicklungen und Tendenzen einerseits und in ihrer Einordnung in den historischen Kontext andererseits, wobei im Mittelpunkt das autonome Kulturparadigma steht. Während die "utilitaristischen" Modelle, unter unterschiedlichen Bezeichnungen, relativ gut beschrieben sind, bleibt das "autonome" Kulturparadigma, wie es sich in Rußland bereits im 19. Jahrhundert als eine Alternative zu den vorherrschenden Kulturauffassungen herausbilden konnte und sich in der Emigration weiter fortsetzte, weitgehend unerforscht. Um so wichtiger scheint es, diese Lücke auszufüllen, weil eben diesem autonomen Kulturparadigma besondere Aufmerksamkeit zu widmen ist, wenn eine Integration Russlands in das System allgemein europäischer Wertvorstellungen angestrebt wird.

Informationen

Gründungsdatum

03.2001

Ende

05.2008

Gefördert durch

Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst