Hintergrund der wissenschaftlichen Kooperation Bayern-Québec

Bayern und die nordamerikanische Provinz Québec arbeiten seit über 10 Jahren eng in den Bereichen der Wissenschaft, Forschung und Technologie zusammen. Die Wissenschaftliche Koordinierungsstelle Bayern-Québec unterstützt den Austausch zwischen den einzelnen Wissenschaftlern und ihren Einrichtungen und kooperiert dazu eng mit der Wirtschaft. Ziel ist es, gemeinsam eine verstärkte internationale Präsenz zu erreichen und sich im internationalen Forschungs- und Innovationswettbewerb gegenseitig Vorteile zu verschaffen. Die WKS begleitet laufend an die 20 bilaterale Forschungsprojekte. Dazu bietet sie von der Projektplanung bis zur Umsetzung wissenschaftliche, administrative und finanzielle Unterstützung für internationale Projekte in Forschung und Entwicklung. Durch gezielte Vernetzungsaktivitäten übernimmt sie eine Vermittlerrolle zwischen den verschiedenen Forschungsakteuren in Bayern und Québec. Seit 2008 ist sie auch Anlaufstelle für Forschungskooperationen zwischen Bayern und Alberta.

Die wissenschaftliche Koordinierungsstelle Bayern-Québec / Bayern-Alberta / RLS-Sciencesl beheimatet ein Programm der bayerischen Regierung zur Förderung der Forschungskooperation mit Québec und Alberta in Kanada sowie den im Netzwerk des Regional Leaders Summit assoziierten Partnerregionen.

  • Das Programm richtet sich an Wissenschaftler bayerischer Hochschulen von Doktoranden aufwärts.
  • Das Programm fördert die Kooperation, nicht die individuelle Forschung.
  • Das Programm beruht auf Reziprozität.

In Bayern pflegen wir einen dreistufigen Projektaufbau:

  1. Vernetzung;
  2. Anbahnungshilfe;
  3. Erweiterung.

Das Programm unterstützt die Wissenschaftler bei der Drittmitteleinwerbung (DFG, EU, internationale Förderprogramme).

Arbeitsgruppe Bayern-Québec 2016

©Bayerische Staatskanzlei: Die Arbeitsgruppe Bayern-Québec in der Bayerischen Staatskanzlei am 18.10.2016, in der Mitte: Michel Lafleur und Gunnar Wiegand

Die heutige Zusammenarbeit zwischen Bayern und Québec beruht auf einer langjährigen Tradition der Partnerschaft, die auf den Anfang der 1980er Jahre zurückgeht und 1989 institutionalisiert wurde. Diese Zusammenarbeit erstreckt sich auf weite Gebiete aus Politik und Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft, Forschung und Technologie, Bildung und Erziehung, Kultur und Gesellschaft. Im Zusammenspiel erzielen sie wichtige Synergieeffekte.

In gemeinsamen Arbeitsgruppensitzungen, die alle zwei Jahre abwechselnd in Bayern und Québec stattfinden, werden inhaltliche Prioritäten für den anschließenden Zweijahreszeitraum festgesetzt. Die 15. Arbeitsgruppensitzung fand 2018 in Québec statt. Beide Seiten verfügen über staatliche Fördermittel zur Unterstützung gemeinsamer Initiativen nach dem Prinzip der Reziprozität. Im Bereich der Wissenschaft, Forschung und Technologie ist das bayerische Mobilitätsprogramm besonders hervorzuheben. Dieses ermöglicht Aktivitäten zur Vernetzung von Wissenschaftlern aus Bayern und Québec und gewährleistet somit eine Anschubfinanzierung für entstehende Forschungsvorhaben.

Die in der Bayerischen Forschungsallianz angesiedelte Stelle einer Wissenschaftskoordinatorin für internationale Forschungskooperationen Bayerns, insbesondere mit Québec/Kanada, betreut Projekte im Auftrag der Bayerischen Staatsregierung und in Zusammenarbeit mit der Vertretung des Freistaats Bayern in Québec.

Im wissenschaftlich-technischen Bereich fördern die beiden Regierungen derzeit rund 20 bilaterale Forschungsprojekte mit folgenden thematischen Schwerpunkten:

  • Energietechnologien und Erneuerbare Energien
  • Umwelt
  • Neue Materialien, Nanotechnologie
  • Transport (e-Mobility)
  • IKT & Komplexe Systeme
  • Lebenswissenschaften & Neurowissenschaften
  • Medizintechnik

Grundsätze

25 Jahre Bayern-Québec Logo

Zehn Faktoren machen gegenwärtig aus dem bayerischen Programm zur Förderung der Forschungskooperation mit Québec in Wissenschaft, Forschung und Technologie eine besondere Kooperation:

  • Der Ansatz ist bewußt bilateral und klein – am Anfang!
    -multilaterale Erweiterung erst nach Vorlage bilateraler Ergebnisse
  • Die Projekte sind vielfältig in ihrer Kooperationsform, aber thematisch kohärent
    -Es zählt der jeweilige wissenschaftlich-thematische Gehalt, nicht die Konformität
    -Vielfalt als positive Antwort auf asymmetrische Kooperationsstrukturen
    -Die thematischen Prioritäten werden regelmäßig und pragmatisch aktualisiert
  • Ziel als Projektträger ist der einzelne Wissenschaftler (Post-Doc aufwärts)
    -unabhängig von Strukturen oder Hierarchien
  • Die Förderung erfolgt im persönlichen Gespräch mit dem Wissenschaftler
    -Kontaktaufnahme, Besuche vor Ort (Labor, Klinik), betreute Vernetzungsreisen
  •  Die Förderung erfolgt auch dort, wo andere Förderinstrumente ausbleiben
    -auch an kleineren Universitäten und an Hochschulen für Angewandte Wissenschaften
    -auch in sogenannten „exotischen“ Fächern
    -auch am Anfang der Wissenschaftskette – gleich bei der Projektidee
  •  Die Projektkoordination erfolgt forschungsnah
    -nah an wissenschaftlich übergeordneten Prioritäten
    -nah am Bedarf des Wissenschaftlers
    -im gleichberechtigten und individuellen Dialog mit dem Projektträger
  • Mischung aus finanzieller und nicht-finanzieller Förderung
    -begrenzte aber transparente, schnelle und sachgerechte Förderfähigkeit
    -ideelle und organisatorische Förderung durch umfassende Projektbetreuung
    -eigenständige Einwerbung von Drittmitteln für das jeweilige Projekt
  • Intensives, zeitlich flexibles Projektmanagement von der Projektidee bis zur Veröffentlichung
  • Dreistufiger Projektaufbau: Vernetzung, Anbahnung, Erweiterung
    -Jede Stufe ist mit Anforderungen verbunden, die vor Ort überprüft werden
    -Anpassungsmaßnahmen sind jederzeit möglich
  • Aufbau eines interaktiven, solidarischen Netzwerkes („Geben und Nehmen“)
    -Im Netzwerk hilft jeder jedem (Weitergabe von Informationen und Kontakten, Aufnahme und Betreuung von ausländischen Partnerkollegen, Gutachten...)

So ist für viele Wissenschaftler das eigene Projekt „Bayern-Québec“ eine einmalige Einstiegschance  in die internationale Forschungskooperation.

Laufend rund 20 gemeinsame Projekte in unterschiedlichen Bereichen

Es  sind an die zwantig gemeinsame  Projekte,  die  gegenwärtig  unter  der  Kooperationsrubrik Wissenschaft, Forschung  und Technologie  von  beiden  Regierungen  finanziell  und  organisatorisch unterstützt  werden.  Ihre thematischen  Schwerpunkte  reichen von  der Luftfahrtforschung über die Materialwissenschaften bis hin zur Neurologie und darüber hinaus.

Seit 2008 sind in folgenden Bereichen spezifische Kooperationsvereinbarungen geschlossen worden, die eine besonders intensive Zusammenarbeit ermöglichen:

  • Klimawandel
  • Neurowissenschaften des Alterns
  • Luftfahrt-Forschung
  • Laser/Photonics

Darüber hinaus sind momentan folgende Gebiete vertreten:

  • Energietechnologien und Erneuerbare Energien
  • Umwelt (Wasser, Abwasser, Naturressourcen)
  • Transport (e-Mobility)
  • Neue Materialien
  • IKT & Komplexe Systeme
  • Lebenswissenschaften und Neurologie
  • Medizintechnik

Projekte unterschiedlicher Größe, Zielsetzung und Entwicklung

Nicht nur in ihrer Thematik, sondern auch in  ihrem  Entwicklungsgrad und Format unterscheiden  sich die Forschungsprojekte „Bayern-Québec“ zum Teil sehr stark. Einige sind eine beginnende Kooperation zwischen zwei Forschern, andere  haben durch die gute bilaterale Zusammenarbeit Schritt  für Schritt die Dimension eines multilateralen Forscherkonsortiums erreicht. Unter den Projektträgern und Projektträgerinnen sind Lehrstuhlinhaber mit langjähriger Forschungserfahrung an Eliteuniversitäten ebenso wie Nachwuchswissenschaftler an jüngeren Hochschulen, und umgekehrt.

Des Weiteren sind Verbundprojekte mit der Industrie, die kleine und mittlere Unternehmen einbeziehen, dabei. Diese Vielfalt, die unter anderen Bedingungen die Gefahr einer Zersplitterung bergen könnte, erleben wir in den Strukturen des wissenschaftlichen Kooperationsprogrammes Bayern-Québec als Chance und Bereicherung.

Dazu tragen sicherlich verschiedene Aspekte bei: zum einen die langjährige Erfahrung der engen bilateralen Zusammenarbeit zwischen dem Freistaat Bayern und der Regierung von Québec seit 1989 und zum anderen in operativer Hinsicht der forschungsnahe, flexible und schlanke Managementansatz. All das macht die Besonderheit dieser Kooperation aus.

In Bayern ein dreistufiger Projektaufbau

Wie entfaltet sich ein Projekt? In den meisten Fällen wenden sich Wissenschaftler an bayerischen Hochschulen oder Forschungszentren an die wissenschaftliche Koordinierungsstelle Bayern-Québec, um ein Projektvorhaben mit Québec zu besprechen. Umgekehrt kann auch die Wissenschaftliche Koordinierungsstelle bestimmte Themen und Wissenschaftler identifizieren, die von einer Kooperation mit Québec profitieren würden. Es kommt auch vor, daß uns eine Anfrage aus Québec erreicht und wir dafür die passenden Partner in Bayern suchen. In einem ausführlichen Gespräch werden jedenfalls Ziele, Kontext und Modalitäten einer Forschungskooperation mit Wissenschaftlern in Québec besprochen.

Danach durchlaufen die Projekte gewöhnlich drei Stufen:

  • Vernetzung
  • Anbahnung
  • Erweiterung

Es werden jeweils zur Verfügung gestellt:

Wir freuen uns auf Ihre Projektideen!

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