ONEforest

Für eine gemeinsame Waldbewirtschaftung

Die Technische Hochschule Rosenheim leitet ein internationales Projekt zur Zukunft der Forst- und Holzwirtschaft in der Europäischen Union. Dabei soll die Nachhaltigkeit verbessert werden. Gestartet ist das Projekt am 1. Juni 2021. Insgesamt sind 19 Partner aus acht Ländern, in erster Linie Universitäten und Hochschulen, an dem auf drei Jahre angelegten Projekt beteiligt. Die Förderung des Gesamtprojekts in Höhe von rund 5,2 Millionen Euro erfolgt über das europäische Forschungsrahmenprogramm Horizon 2020.

„Wir werden die gesamte Wertschöpfungskette der Wald- und Holzwirtschaft analysieren, um daraus Erkenntnisse für deren nachhaltige Umgestaltung zu gewinnen“, erläutert Veronika Auer, stellvertretende Leiterin des Zentrums für biobasierte Materialien (ZBM) der TH Rosenheim. Im Mittelpunkt steht dabei die ganzheitliche Betrachtung des Öko- und Wirtschaftssystems Wald. „Die Funktionen des Waldes sind vielfältig: Er bietet Schutz zum Beispiel vor Lawinenabgängen, Menschen können sich in ihm erholen und Forstbesitzern dient er als Einnahmequelle“, so Auer. Die verschiedenen Aspekte bestmöglich zu vereinen, sei das Hauptziel des Projekts „ONEforest“. In verschiedenen Szenarien-Analysen für die kommenden 30 Jahre werden die Wissenschaftler konkrete Vorschläge liefern.

Das in enger Zusammenarbeit mit der Bayerischen Forschungsallianz und den europäischen Partnern entwickelte Projekt bringt die Kompetenzen des Zentrums für biobasierte Materialien, des Zentrums für Forschung, Entwicklung und Transfer (Lina Maria Girata Sastoque, Dr. Martin Brunsmeier, Claudia Bayer, Dr. Sebastian Hirschmüller, Jonas Schwarz) und dem Fachgebiet Nachhaltige Produktentwicklung und Produktion (Prof. Dr. Sandra Krommes) auf dem Themengebiet der Holzwirtschaft und Nachhaltigkeit zusammen.

Nachhaltiges Handeln im Mittelpunkt

„Wir wollen den Wald nicht nur aus wirtschaftlicher Perspektive betrachten, sondern auch die Ökosystemdienstleistungen des Waldes mit in den Fokus rücken. Also welchen Nutzen und welchen Wert der Wald für die Gesellschaft und für die Lebensqualität der Menschen sowie den Klima- und Umweltschutz hat“, verdeutlicht Krommes. Idealerweise finde man Ansätze, den Wald und die Wertschöpfungskette Forst-Holz ganzheitlich unter ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekten zu bewerten.

Um die verschiedenen Funktionen des Waldes eingehend zu untersuchen, betrachtet das Projektteam vier biogeografische Modellregionen, um Unterschiede bei Klima- und Waldbedingungen, Waldwachstum sowie Holzversorgung und -nutzung zu berücksichtigen. Dabei spielen auch die notwendigen Veränderungen unserer Wälder von Monokulturen zu Mischkulturen eine Rolle, damit diese weniger anfällig gegenüber Schädigungen durch Insekten, Stürme oder Trockenheit sind. Untersucht werden Mittelmeerwälder in Spanien, Alpenwälder in der Schweiz, Kontinentalwälder in Deutschland sowie nördliche Wälder in Estland.

Unter Federführung der TH Rosenheim und der Universität Trento wird im Rahmen des Projektes auch die Einsatzmöglichkeit eines Holzfaser-Biopolymer-Komposites als Bodenabdeckung untersucht. „Insbesondere werden die Auswirkungen auf Bodenerosion, Bewuchs, Wasserspeicherkapazität, mikrobiologische Aktivität und Bodenstabilisierungspotenzial genauer betrachtet“, erläutert Hirschmüller.

Kooperation mit verschiedenen Interessensgruppen

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist laut Auer, alle Interessensgruppen und dabei insbesondere die Holzindustrie bei der Umgestaltung der Forstwirtschaft mitzunehmen. „Der Wald wird sich in den kommenden Jahrzehnten verändern und das hat auch Auswirkungen auf die Materialflüsse und die Produkte. Wir wollen die Unternehmen der Wertschöpfungskette darauf vorbereiten und zusammen mit ihnen Perspektiven für die künftige Holznutzung erarbeiten“.

Projektübersicht

Projektziele und Arbeitsfelder

Das Ziel von ONEforest liegt darin, eine multifunktionale und widerstandsfähige Forstwirtschaft unter den zunehmenden Veränderungen der klimatischen Bedingungen im Zuge des Klimawandels zu aufzuzeigen und gleichzeitig eine Optimierung der Holzwertschöpfungsketten unter Berücksichtigung verschiedenster Stakeholder-Interessen zu ermöglichen.

Relevante Arbeitsfelder werden hierbei sein:

  • Bereitstellung von Wachstumssimulationen für die jeweiligen biogeographischen Regionen
  • Empfehlungen von waldbaulichen Maßnahmen für einen an den Klimawandel angepassten Wald unter Berücksichtigung von Wald-Ökosystem-Dienstleistung und zukünftigen Schadensereignissen der jeweiligen Regionen
  • Verstärkung der regionalen Wertschöpfungskette
  • Entwicklung eines Holzfaser-Biopolymer-Komposit

Die verschiedenen Ansätze werden in einem multikriteriellen System/Programm als Entscheidungshilfe für relevante Interessensgruppen zusammengefasst, um den Nutzern vielfältige Szenarien anhand der eingegebenen Zielparameter aufzeigen zu können.

 

Zielgruppen

Die Projektergebnisse sind für alle Beteiligten entlang der Holzwertschöpfungskette relevant und bedeutend. Waldbesitzer in den jeweiligen biogeographischen Regionen bekommen nachhaltige Management-Konzepte unter sich verändernden Anforderungen an den Wald und dessen Wandel im Zuge des Klimawandels aufgezeigt, um somit eine nachhaltige und langfristige Versorgung mit heimischem Holz zu gewährleisten.

BayFOR als Partner

Die Bayerische Forschungsallianz unterstützte ONEforest intensiv von der Antragsverfassung bis zum Projektstart im Juni 2021. In enger Kooperation mit dem Koordinator begleitete sie bei der Konzeptionierung, Gestaltung und Budgetierung des Antrags. Zudem stand sie allen Partnern bei den erforderlichen Formalitäten zur Seite und beriet sie in anfallenden administrativen Belangen.
Als Projektpartner begleitet die BayFOR das Konsortium beim Projektmanagement.
Das zugrundeliegende Ziel ist, die Aktivitäten auf internationaler Ebene zu unterstützen und die Ergebnisse sichtbar zu machen.

 

Förderperiode

Von Juni 2021 bis Mai 2024 fördert die EU das Forschungsprojekt mit 5,25 Mio. Euro (Horizon 2020) gemäß der Finanzhilfevereinbarung Nr. 101000406.

Konsortium

Das Konsortium von ONEforest besteht aus 19 Partnern aus sieben Ländern.

Koordinator:
Technische Hochschule Rosenheim, Deutschland

Partner:
Universita Degli Studi Di Trento, Italien
Libera Universita Di Bolzano, Italien   
Univerza V Ljubljani, Slowenien
Technische Universität Graz, Österreich
Bayerische Forschungsallianz, Deutschland
Eest Maaulikool, Estland
Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft, Schweiz
Consorci Centre De Ciencia I Tecnologia Forestal De Catalunya, Spanien
Tartu Ulikool, Estland
Technische Universität München, Deutschland
Sveriges Lantbruksuniversitet, Schweden
Cesefor (Fundacion Centro De Servicios Y Promocion Forestal Y De Su Industria De Castilla Y Leon), Spanien
Albert-Ludwigs- Universität Freiburg, Deutschland
Regione Toscana, Italien
Technische Universität Dresden, Deutschland
Georg-August-Universität Göttingen, Deutschland
Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft e. V., Deutschland
Climate Endowment GmbH & Co. KG, Deutschland 

Weitere Informationen

Kontakt

Prof. Dr. Sandra Krommes

Prof. Dr. Sandra Krommes
Projektleitung ONEforest
Technische Hochschule Rosenheim
Sustainable Engineering & Management
Fakultät für Wirtschaftsingenieurwesen
Tel.: +49 (0)8031 / 805-2416 (-2602 Sekretariat)
E-Mail: sandra.krommes@no-spam-pleaseth-rosenheim.de

Kontakt in der BayFOR

Sebastian Kägler

M. Sc. Sebastian Kägler
Wissenschaftlicher Referent
EU-Projekt ONEForest
Telefon: +49 89 9901888-126
E-Mail: kaegler@no-spam-pleasebayfor.org
Twitter: @BayFOR_UEB

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