Phy2Climate

Steckbrief

  • Programm: Horizon 2020, Secure, Clean and Efficient Energy (SC3)
  • Fördersumme: 4 Mio. Euro, davon 790.000 Euro für Bayern
  • Laufzeit: 01/2021–6/2025
  • Koordinator: Markus Ortner, ITS Förderberatung, Österreich
  • Internet: www.phy2climate.eu

Durch verbesserte Phytosanierung werden verunreinigte Böden wieder zu Ackerland

Allein in Europa gibt es schätzungsweise rund 2,8 Millionen Standorte von Industrieböden, die durch Schadstoffe kontaminiert sind oder in der Umgebung ehemaliger Bergbaugebiete liegen. Die Belastung durch persistente organische Schadstoffe und Schwermetalle ist dort so hoch, dass der Anbau von Nahrungsmitteln auf lange Zeit unmöglich ist. Die Sanierung dieser Böden ist allerdings mit großem zeitlichem und materiellem Aufwand verbunden und damit sehr teuer. Das EU-Projekt Phy2Climate entwickelt einen globalen Lösungsansatz zur pflanzenbasierten Sanierung derartiger Böden und zur Weiterverarbeitung der kontaminierten Biomasse zu Biokraftstoffen.

Kombination aus Phytosanierung und Energiepflanzenanbau

Phytosanierung oder Phytoremediation bezeichnet die Sanierung verunreinigter und kontaminierter Böden oder des Grundwassers mit Hilfe von Pflanzen. Die Pflanzen nehmen während ihres Wachstums selektiv bestimmte Schadstoffe aus dem Boden auf. Das Verfahren ist vergleichsweise günstig, aber auch langwierig. Denn die Böden können erst wieder nach mehreren Wachstumsperioden dieser Pflanzen genutzt werden. Ungelöst ist nach heutigem Stand das Problem der Entsorgung großer Mengen der anschließend kontaminierten Biomasse. Derzeit werden kontaminierte Pflanzen als Abfall behandelt und landen gegen Gebühren in Verbrennungsanlagen oder werden auf Deponien entsorgt.
Das EU-Projekt Phy2Climate hat dafür einen innovativen Lösungsansatz: Auf fünf Versuchsflächen in Serbien, Spanien, Litauen, Argentinien und Indien testen die Forscher die Kombination aus Phytosanierung und Energiepflanzenanbau. Nach der Ernte werden die Pflanzen, die für die Reinigung der Böden eingesetzt wurden, je nach Pflanzenart durch mechanisches Pressen oder ein thermo-chemisches Konversionsverfahren weiterverarbeitet.

CO2-Bilanz negativ

Der bayerische Projektpartner Fraunhofer UMSICHT in Sulzbach-Rosenberg gewinnt aus den geernteten Energiepflanzen durch thermochemische Konversion ein Öl, das zu Biokraftstoff aufbereitet wird. Bei der thermo-chemischen Konversion entsteht neben dem Öl auch ein Karbonisat, also eine Kohle. Darin lagern sich die über die Vegetationsperiode aufgenommenen Schwermetalle an. Im Projekt wird die Kohle daher versuchsweise als Reduktionsmittel bei der Verhüttung von Kupfer eingesetzt. Durch die Substitution der fossilen Kohle im Hüttenprozess wird der erzeugte Biokraftstoff in seiner CO2-Bilanz negativ, mit reduzierten Treibhausgasemissionen von ca. 150 Prozent. Der Umweltcluster Bayern e. V. ist in Phy2Climate als weiterer bayerischer Partner für die Verwertungsstrategie der Ergebnisse und die Projektkommunikation verantwortlich. An dem Projekt sind 17 Partner aus zehn verschiedenen Ländern aus den Kontinenten Europa, Asien und Südamerika beteiligt.

Kontakt

„Die Bayerische Forschungsallianz hat uns bei der Antragstellung intensiv begleitet. Im Rahmen von Proofreadings und anschließenden Diskussionsrunden haben wir wichtige Hinweise zur Optimierung unseres Antrags erhalten. Wir freuen uns, dass die Zusammenarbeit mit dem Team der BayFOR am Ende auch zum Erfolg geführt hat.“

Fabian Stenzel
Fraunhofer UMSICHT, Institut Sulzbach-Rosenberg
Tel.: +49 (0) 9661 8155-432
E-Mail: fabian.stenzel@no-spam-pleaseumsicht.fraunhofer.de

Kontakt in der BayFOR

Dr. Thomas Ammerl

Dr. Thomas Ammerl
Fachbereichsleiter Umwelt, Energie & Bioökonomie
Tel.: +49 (0)89 9901888-120
E-Mail: ammerl@no-spam-pleasebayfor.org
Twitter: @BayFOR_UEB

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