WINALP

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Projekt „Waldinformationssystem Nordalpen“

Intakte Gebirgswälder schützen den Siedlungs- und Wirtschaftsraum der Alpen nachhaltig vor Lawinen, Muren, Überschwemmungen und Steinschlag. Die Bewirtschaftung, Pflege und Sanierung von funktionsfähigen Hochgebirgswäldern stellen daher nicht zuletzt angesichts des Klimawandels eine große Herausforderung für die Forstwirtschaft dar. Um dieser Herausforderung zu begegnen, sind detailgenaue Informationen zur Leistungsfähigkeit der Waldstandorte, zum Waldzustand, zu Gefahren und zum Schadenspotenzial gefordert.

Das europäische Projekt „Waldinformationssystem Nordalpen“ (WINALP) hat zum Ziel, wissenschaftliche Grundlagen für ein nachhaltiges Naturgefahrenmanagement für den Gebirgswald sowie für Präventivmaßnahmen zu erstellen. Im Rahmen der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit (INTERREG IVA) dieses Projekts, werden verlässliche Flächeninformationen über die natürliche Leistungsfähigkeit der Hochgebirgswälder für die Nördlichen Kalkalpen in Bayern, Tirol und in Teilen des Salzburger Landes erfasst. Aber auch die Wirkung der Klimaänderung auf die Stabilität und Zusammensetzung heutiger Bergwälder wird untersucht und bewertet. Diese Parameter werden dringend benötigt für:

  • den integrierten Schutz vor Naturgefahren,
  • zielgerichtete Pflege und Entwicklung der Berg- und Schutzwälder,
  • die Anpassung der forstwirtschaftlichen Erschließung und Nutzungsintensität an die natürliche Tragfähigkeit der Umwelt,
  • den Schutz der biologischen Vielfalt und für die
  • Entwicklung von Anpassungsstrategien an die erwartete Klimaänderung.

Alle erhobenen Daten dieses Projekts werden im Anschluss in einem Geographischen Informationssystem zusammengeführt und in digitalen Spezialkarten und Handbüchern nutzerfreundlich aufbereitet, um Forstplanern und -praktikern z. B. bei der standortspezifischen Bewirtschaftung, Pflege und Sanierung von Gebirgswäldern oder bei Prognosen zu den Auswirkungen des Klimawandels zur Verfügung zu stehen.

Waldtypenkarte im EU-Projekt WINALP

Steckbrief

Projektziele und Arbeitsfelder

Projektziele:

  • Bereitstellung von digitalen Karten des Naturpotenzials für alle Waldflächen in den Bayerischen Alpen und im nördlichen Tirol (Waldtypenkarte)
    Die verfügbaren Geodaten zu Lage, Klima, Geologie und Boden werden für das Projektgebiet in einem Geographischen Informationssystem (GIS) zusammengeführt und bilden das Rückgrat für alle weiteren Auswertungen. Die Flächeninformation wird über Datenbanken mit repräsentativen standorts- und vegetationskundlichen Geländeaufnahmen verknüpft. Die statistischen Zusammenhänge der im GIS gespeicherten Flächeninformationen mit den im Wald erhobenen Punktinformationen werden analysiert. Die daraus ermittelten wichtigsten Kombinationen von Umweltfaktoren werden für das gesamte Projektgebiet modelliert und als Waldtypen zusammengefasst. In jeder Teilregion wird die Richtigkeit der Modelle durch repräsentative Eichrouten überprüft. Ergebnis ist eine flächendeckende Waldtypenkarte im Maßstab 1:25.000
  • Erstellung eines Handbuchs zur standortspezifischen Bewirtschaftung, Pflege und Sanierung von Gebirgswäldern
    Auf Grundlage der naturwissenschaftlichen Informationen werden für alle Waldtypen Baumarteneignung, Nutzungspotenziale, geeignete Methoden der Waldpflege und zielführende Sanierungsstrategien in einem benutzerfreundlichen Handbuch zusammengestellt. Es werden Richtlinien zur Anwendung der Waldtypenkarten in Verbindung mit Gefahrenhinweiskarten erarbeitet (Schutzwald- und Naturgefahrenmanagement). Diese Daten werden praxis- und nutzergerecht aufbereitet und als Werkzeug zur Verfügung gestellt. Neben dem Handbuch der Waldtypen werden gemäß den Nutzerwünschen auch thematische Spezialkarten z. B. zur Befahrbarkeit, Empfindlichkeit gegen Biomasseentzug etc. erstellt.
  • Etablierung eines Geographischen Informationssystems (GIS), das Anpassungen an geänderte klimatische Bedingungen ermöglicht
    Um die Auswirkungen des Klimawandels besser abzuschätzen, werden neben aktuellen Klimadaten regionalisierte Prognosemodelle getestet. Für repräsentative Ausschnitte des Projektgebietes werden die Modellierungen mit unterschiedlichen Klimaszenarien durchgerechnet und als Waldtypenkarten dargestellt. Damit wird versucht, die Auswirkungen der Klimaänderung auf die Entwicklung der Baumarten ausreichend genau vorherzusagen. Unter diesen Annahmen werden anschließend Empfehlungen für vorsorgende Maßnahmen in gegenüber der Klimaänderung empfindlichen Waldtypen entwickelt.
  • schnittstellengerechte Übergabe der GIS-Produkte an Forstverwaltungen

Arbeitsfelder:

  • Aufbau eines GIS mit hochauflösenden geologischen Karten, digitalen Höhenmodellen und Klimakarten
  • Definition der Ansprüche der Nutzer an das Informationssystem
  • Ableitung der ökologisch relevanten Geoparameter im gesamten Bearbeitungsgebiet
  • Modellierung der Waldtypen im Maßstab 1:25.000 im gesamten Bearbeitungsgebiet inkl. Überprüfung und Nacheichung
  • Modellierung von Spezialkarten
  • Alternative Modellierung unter Klimawandel-Szenario
  • Entwicklung eines Handbuchs zur waldtypenspezifischen Bewirtschaftung, Pflege und Sanierung von Gebirgswäldern
  • Einführung des Systems in die Praxis, Information und Schulung von Multiplikatoren

Zielgruppe

Die Projektergebnisse dienen Waldplanern und –praktikern im Alpenraum, z.B. bei der standortspezifischen Bewirtschaftung, Pflege und Sanierung von Gebirgswäldern oder bei Prognosen der Auswirkungen des Klimawandels.

Nach Fertigstellung der Datengrundlagen werden in Workshops die Wünsche und Erwartungen verschiedener Zielgruppen (Forstbetriebe, Forstverwaltungen, Waldbesitzer, Naturgefahrenmanager) ermittelt und mit den naturwissenschaftlich-technischen Möglichkeiten abgeglichen. Die spezifischen Bedürfnisse der Nutzer fließen in die weitere Durchführung ein. In systematisch angebotenen Schulungsveranstaltungen werden die Multiplikatoren und Nutzer in der praktischen Anwendung von Karten, Handbuch und GIS geschult. Eine Implementierung der Kartenprodukte in die Informationssysteme der Bayerischen Staatsforsten und der Forstverwaltungen ist im Anschluss an das Projekt geplant.

BayFOR als Partner

Prof. Dr. Jörg Ewald von der Fakultät Wald und Forstwirtschaft an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf ist Koordinator des Projekts WINALP. Dipl.-Ing. silv. (Univ. | FH) Tania Walter, wissenschaftliche Referentin bei der BayFOR, ist für das Projektmanagement bei WINALP zuständig.

Zu den Projektmanagement-Tätigkeiten zählen die Vertragsverhandlungen mit der EU-Behörde, die Einhaltung der Vertragsvorgaben, das finanzielle und organisatorische Management sowie die Organisation der projektinternen Kommunikation.

Zusätzlich übernimmt die BayFOR auch Aufgaben zur nutzerfreundlichen Aufbereitung sowie die Verbreitung der wissenschaftlichen Ergebnisse von WINALP und deren Kommunikation an die entsprechenden Nutzergruppen. Dazu gehört beispielsweise auch die Organisation von Veranstaltungen und lokalen Informationsveranstaltungen.

Laufzeit und Förderung

Gefördert wird dieses Projekt aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) im Programm INTERREG IVA – Europäisch Territoriale Zusammenarbeit. Nationale Kofinanzierer in Bayern sind die Bayerische Forstverwaltung und die Bayerischen Staatsforsten. In Österreich wird das Projekt durch das Amt der Tiroler Landesregierung sowie die Landesforstdirektion Salzburg unterstützt.

Projektlaufzeit: 01. Juli 2008 – 30. Juni 2011

Projektbudget: 1.743.794 €

Konsortium

Das Konsortium setzt sich zusammen aus sieben Konsortialpartnern aus Bayern, Tirol und dem Salzburger Land.

Die wissenschaftlichen Inhalte werden unter der Leitung von Prof. Dr. Jörg Ewald, Professor für Botanik und Vegetationskunde an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, Fakultät Wald und Forstwirtschaft koordiniert. Die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf ist Mitglied des Zentrums Wald-Forst-Holz Weihenstephan.

Die Bayerische Forschungsallianz unterstützt den Koordinator als Projektmanagementpartner in der administrativen Durchführung des Projekts.

Bayern:
Projektkoordinator - Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, Fakultät Wald und Forstwirtschaft
Technische Universität München, Wissenschaftszentrum Weihenstephan
Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirschaft
Bayerische Forschungsallianz

Österreich:
Amt der Tiroler Landesregierung, Gruppe Forst
Landesforstdirektion Salzburg

Weitere Informationen

Kontakt

Prof. Dr. Jörg Ewald

Prof. Dr. Jörg Ewald
Hochschule Weihenstephan-Triesdorf
Fakultät Wald und Forstwirtschaft
Koordination WINALP
Telefon: +49 (0)8161 71 5909
E-Mail: ewald@no-spam-pleasehswt.de

Kontakt in der BayFOR

M.A. Verena Bürger

M.A. Verena Bürger
Projektmanagerin (zurzeit in Elternzeit)
Telefon: +49 (0)89 9901888-124
E-Mail: buerger@no-spam-pleasebayfor.org

 

 

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