EU-Kommission legt neue Bioökonomie-Strategie vor: Wegweiser für grünes Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz

28.11.2025
EU-Kommission legt neue Bioökonomie-Strategie vor

Die Europäische Kommission hat eine neue EU-Bioökonomie-Strategie vorgestellt, die die Transformation Europas hin zu einer nachhaltigen, wettbewerbsfähigen und widerstandsfähigen Wirtschaft beschleunigen soll. Der strategische Rahmen zeigt auf, wie Europa biologische Ressourcen aus Land und Meer effizienter nutzen kann, um Kreislaufwirtschaft, Dekarbonisierung und Unabhängigkeit von fossilen Importen voranzutreiben.

Bioökonomie als Wachstumsmotor für Europa

Mit einem wirtschaftlichen Gesamtwert von 2,7 Billionen Euro und 17,1 Millionen Beschäftigten (8 % aller EU-Arbeitsplätze) ist die Bioökonomie bereits heute ein zentraler Treiber für Innovation, Beschäftigung und Wertschöpfung. Jeder direkte Arbeitsplatz in diesem Bereich schafft drei weitere indirekte Jobs in der EU.

Biobasierte Produkte – von Algenchemikalien für Pharma und Kosmetik über biobasierte Kunststoffe und Textilfasern bis hin zu nachhaltigen Baumaterialien und Düngemitteln – zeigen das enorme, bislang nur teilweise genutzte Potenzial der europäischen Bioökonomie.

Ziele der neuen Bioökonomie-Strategie

1. Biobasierte Innovationen skalieren

Um die „Bio-Tech-Revolution“ voranzubringen, will die Kommission Forschungsergebnisse schneller in den Markt überführen.
Geplant sind u. a.:

  • ein kohärenter und vereinfachter Rechtsrahmen, der nachhaltige Geschäftsmodelle begünstigt,
  • beschleunigte Zulassungsverfahren für innovative Lösungen – insbesondere für KMU,
  • stärkere Förderung biobasierter Technologien über bestehende und kommende EU-Programme,
  • Einrichtung einer Bioökonomie-Investitionseinsatzgruppe, die bankfähige Projekte bündelt und privates Kapital aktiviert.

2. Leitmärkte für biobasierte Materialien entwickeln

Die Strategie identifiziert besonders wachstumsstarke Sektoren, etwa:

  • biobasierte Kunststoffe
  • Textilfasern und Chemikalien
  • nachhaltige Düngemittel und Pflanzenschutzmittel
  • Biomasseverarbeitung, Bioraffinerien und Fermentation
  • Technologien zur dauerhaften Speicherung biogenen Kohlenstoffs

Um die Nachfrage zu steigern, will die Kommission verbindliche Zielvorgaben für biobasierte Produktanteile prüfen.
Geplant ist zudem eine Bio-basierte Europa-Allianz, die bis 2030 gemeinsame Beschaffungen im Wert von 10 Milliarden Euro anstoßen soll.

3. Nachhaltige Biomassenutzung sicherstellen

Europa ist weitgehend selbstversorgend mit Biomasse – doch diese Position soll langfristig gesichert werden.
Die Strategie setzt daher auf:

  • verantwortungsvolle Beschaffung,
  • Schutz von Böden, Wäldern, Wasserressourcen und Ökosystemen,
  • Förderung der Kreislaufwirtschaft, insbesondere durch Nutzung von Sekundärbiomasse (Rückstände, Nebenprodukte, biogene Abfälle),
  • Anreize für Land- und Forstwirte, die Kohlenstoffsenken stärken und nachhaltige Praktiken anwenden.

4. Globale Chancen nutzen und die europäische Resilienz stärken

Europa soll eine Führungsrolle im weltweiten Markt für nachhaltige biobasierte Technologien einnehmen.
Dazu möchte die EU:

  • Partnerschaften aufbauen, die geopolitische Abhängigkeiten reduzieren,
  • europäischen Unternehmen den Zugang zu internationalen Märkten erleichtern,
  • die Ressourcensicherheit Europas stärken – ein zentraler Faktor angesichts des fragilen geopolitischen Umfelds.

Hintergrund

Die Bioökonomie umfasst alle Aktivitäten, die biologische Ressourcen – etwa aus Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei oder Biomasseverarbeitung – nutzen, um Lebensmittel, Materialien, Energieträger, Technologien und Ökosystemleistungen bereitzustellen.
Der neue strategische Rahmen knüpft an die Bioökonomiestrategie von 2012 sowie die Aktualisierungen von 2018 und 2022 an. Der Fokus verschiebt sich nun deutlich in Richtung industrielle Skalierung, Markteinführung, internationale Wettbewerbsfähigkeit und strategische Resilienz.

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