Horizon Europe: EU und Indien vertiefen strategische Partnerschaft in Forschung und Innovation

16.07.2026
Horizon Europe: EU und Indien vertiefen strategische Partnerschaft in Forschung und Innovation

Die Europäische Union und Indien wollen ihre Zusammenarbeit in Forschung, Innovation und Schlüsseltechnologien deutlich ausbauen. Im Rahmen der dritten Sitzung des EU-India Trade and Technology Council (TTC) haben beide Partner beschlossen, offizielle Verhandlungen über Indiens Assoziierung an Horizon Europe aufzunehmen. Ziel ist es, die Verhandlungen bis Ende 2026 abzuschließen und die wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen Europa und einer der weltweit dynamischsten Forschungs- und Innovationsnationen nachhaltig zu stärken.

Die Entscheidung ist auch vor dem Hintergrund des zunehmenden globalen Wettbewerbs um technologische Führungspositionen zu sehen. China gewinnt in zahlreichen Zukunftsfeldern an Bedeutung, während zugleich auch die USA ihre Forschungs-, Industrie- und Technologiepolitik stärker an eigenen strategischen Interessen ausrichten. Die Europäische Union setzt deshalb verstärkt auf internationale Partnerschaften, um technologische Kompetenzen zu bündeln, Abhängigkeiten zu verringern und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.

Indien spielt dabei eine zentrale Rolle. Das Land verfügt über eine leistungsfähige Forschungslandschaft, einen stark wachsenden Hightech-Sektor, eines der weltweit größten Start-up-Ökosysteme und einen großen Pool qualifizierter Fachkräfte. Zugleich gewinnt Indien als Markt, Produktionsstandort und Partner für resilientere Liefer- und Wertschöpfungsketten zunehmend an Bedeutung. Für Europa eröffnet die engere Zusammenarbeit damit die Möglichkeit, seine internationalen Forschungs- und Innovationsbeziehungen breiter aufzustellen und seine Position im weltweiten Technologiewettbewerb zu festigen.

Für Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Unternehmen und innovative KMU könnte die geplante Assoziierung Indiens an Horizon Europe, dem Forschungs- und Innovationsprogramm der Europäischen Union, neue Möglichkeiten für gemeinsame Forschungs- und Innovationsprojekte schaffen. Internationale Konsortien könnten künftig einfacher aufgebaut sowie der Austausch von Wissen, Technologien und Fachkräften weiter intensiviert werden.

Neue Impulse für Forschung und Deep-Tech-Innovationen

Neben den Verhandlungen über Horizon Europe vereinbarten die EU und Indien weitere Maßnahmen zur Förderung gemeinsamer Forschung und technologischer Innovation. So soll der erste EU-India Innovation Hub für Ladeinfrastruktur und Testtechnologien im Bereich Elektromobilität eingerichtet werden.

Darüber hinaus planen beide Partner eine EU-India Startup Partnership mit Schwerpunkt auf sauberen Deep-Tech-Technologien. Die Initiative soll Start-ups beim Marktzugang unterstützen und die Kommerzialisierung neuer Technologien erleichtern. Damit rücken nicht nur gemeinsame Forschungsaktivitäten, sondern auch die wirtschaftliche Verwertung von Innovationen stärker in den Mittelpunkt der Zusammenarbeit.

Bereits heute fördern die Europäische Union und Indien gemeinsame Forschungs- und Innovationsprojekte mit einem Gesamtvolumen von 60 Millionen Euro. Unterstützt werden unter anderem Vorhaben zu Waste-to-Hydrogen-Technologien (Abfall-zu-Wasserstoff-Technologien), zur Bekämpfung der Meeresverschmutzung sowie zum Recycling von Batterien für Elektrofahrzeuge.

Zusammenarbeit in strategischen Schlüsseltechnologien

Ein weiterer Schwerpunkt der Vereinbarungen ist die Intensivierung der Zusammenarbeit in strategischen Zukunftstechnologien. Dazu zählen Künstliche Intelligenz, Halbleiter, High Performance Computing, Quantentechnologien und 6G.

Im Bereich Künstliche Intelligenz wollen sich die EU und Indien unter anderem zu innovationsfördernden Rahmenbedingungen und möglichen Anwendungen im Gesundheitswesen austauschen. Auch bei Hochleistungsrechnen sind gemeinsame Aktivitäten vorgesehen, etwa zur Erforschung von Naturgefahren, Klimawandel und Bioinformatik.

Im Halbleiterbereich soll die Zusammenarbeit entlang sicherer, vertrauenswürdiger und resilienter Lieferketten vertieft werden. Darüber hinaus wollen beide Seiten Investitionen in Halbleiter- und Elektronikökosysteme erleichtern und ihre Kooperation in der fortgeschrittenen Fertigung ausbauen.

Kooperation bei Clean Tech, Wasserstoff und resilienten Wertschöpfungsketten

Auch im Bereich der Energiewende wollen die EU und Indien ihre Zusammenarbeit intensivieren. In der zweiten Jahreshälfte 2026 ist ein Austausch zu Hydrogen Valleys sowie zu Sicherheitsstandards für Wasserstofftechnologien vorgesehen.

Darüber hinaus sollen resiliente Wertschöpfungsketten in der Agrar- und Lebensmittelwirtschaft, bei pharmazeutischen Wirkstoffen sowie bei sauberen Energietechnologien gestärkt werden. Ziel ist es, Abhängigkeiten zu verringern, industrielle Kapazitäten breiter aufzustellen und die Versorgungssicherheit in strategisch wichtigen Bereichen zu verbessern.

Bedeutung für Europa und Horizon-Europe-Antragstellende

Die geplante Assoziierung Indiens an Horizon Europe ist mehr als ein forschungspolitischer Schritt. Sie ist Teil einer breiteren europäischen Strategie, internationale Partnerschaften mit wissenschaftlich und wirtschaftlich starken Ländern auszubauen und Europas technologische Handlungsfähigkeit zu stärken.

Europa verfolgt das Ziel, seine internationalen Beziehungen zu diversifizieren, einseitige Abhängigkeiten zu reduzieren und mit mehreren starken Partnern zusammenzuarbeiten. Indien kann dabei zu einem wichtigen zusätzlichen Pfeiler der europäischen Forschungs-, Innovations- und Industriepolitik werden.

Für europäische Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Unternehmen und KMU könnten sich daraus neue Möglichkeiten ergeben, internationale Konsortien aufzubauen und gemeinsam mit indischen Partnern Lösungen für globale Herausforderungen zu entwickeln. Besonders relevant sind dabei Themenfelder wie Künstliche Intelligenz, Clean Tech, Wasserstoff, Halbleiter, Quantentechnologien und digitale Infrastrukturen.

Die vertiefte Partnerschaft unterstreicht zugleich die wachsende strategische Bedeutung von Horizon Europe. Das Programm dient nicht nur der Förderung exzellenter Forschung, sondern zunehmend auch der Stärkung internationaler Innovationsnetzwerke, resilienter Wertschöpfungsketten und der technologischen Wettbewerbsfähigkeit Europas.

Weitere Informationen: Joint Statement der Europäischen Kommission zum dritten EU-India Trade and Technology Council.

Die BayFOR unterstützt internationale Forschungskooperationen

Die geplante Assoziierung Indiens an Horizon Europe könnte künftig neue Möglichkeiten für internationale Forschungskooperationen eröffnen. BayFOR unterstützt bayerische Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Unternehmen und innovative KMU dabei, geeignete internationale Partner zu finden, wettbewerbsfähige Konsortien aufzubauen und erfolgreiche Anträge im Rahmen von Horizon Europe zu entwickeln.

Informieren Sie sich über unsere Beratungsangebote zu Horizon Europe und internationalen Forschungskooperationen oder kontaktieren Sie unsere Expertinnen und Experten.

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