EU-Kommission veröffentlicht neue Leitlinien zur Verwertung multidisziplinärer Forschungsergebnisse
Die neuen Leitlinien richten sich an Forschende und weitere Inhaberinnen und Inhaber von Forschungsergebnissen sowie an Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Akteure des Wissens- und Technologietransfers. Sie sollen dabei helfen, geeignete Wege zu identifizieren, um Ergebnisse aus multidisziplinären Forschungs- und Innovationsprojekten über die eigentliche Forschungsarbeit hinaus wirksam zu nutzen.
Damit greift die Europäische Kommission ein zentrales Anliegen ihrer europäischen „Knowledge-Valorisation“-Politik auf: Forschungsergebnisse sollen nicht nur wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn schaffen, sondern möglichst auch gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Nutzen entfalten und beispielsweise in neue Produkte, Dienstleistungen, politische Maßnahmen oder andere innovative Lösungen einfließen.
Zehn Wege von Forschungsergebnissen zur Wirkung
Die Publikation stellt zehn unterschiedliche Verwertungspfade vor. Sie zeigen, wie multidisziplinäre Forschungsergebnisse in konkrete Anwendungen und Wirkungen überführt werden können – beispielsweise durch menschenzentrierte Technologien, partizipative Innovation, Unternehmertum, organisatorische Veränderungen oder evidenzbasierte Politikgestaltung.
Die Leitlinien unterstützen Forschungs- und Innovationsprojekte außerdem dabei, relevante Nutzergruppen, Partner und Intermediäre zu bestimmen und die nächsten Schritte der Verwertung strategisch zu planen. Praktische Beispiele und Checklisten erleichtern die Umsetzung.
Entscheidungsbäume unterstützen bei der Wahl des passenden Verwertungspfads
Eine Besonderheit der neuen Leitlinien sind zwei interaktive Entscheidungsbäume. Der erste setzt bei den bereits erzielten Forschungsergebnissen an und hilft zu bestimmen, welche Formen der Verwertung dafür infrage kommen. Der zweite geht von der angestrebten Wirkung aus.
Damit können Forschende und Projektkonsortien systematisch prüfen, welche Verwertungspfade zu ihren Ergebnissen und Zielen passen und welche Akteure für die weitere Umsetzung einbezogen werden sollten.
Sozial- und Geisteswissenschaften stärker in die Verwertung einbeziehen
Besondere Bedeutung haben die Leitlinien für multidisziplinäre Projekte, in denen Social Sciences and Humanities (SSH) eine Rolle spielen. Bestehende Verwertungsansätze sind nach Einschätzung der Europäischen Kommission häufig stärker auf naturwissenschaftlich-technische Forschung und etablierte Transferwege ausgerichtet. Bei multidisziplinären Ergebnissen und SSH-Forschung bestehen dagegen noch Lücken bei der Überführung in die praktische Nutzung.
Dabei können gerade sozial- und geisteswissenschaftliche Erkenntnisse wichtige Beiträge leisten – etwa indem sie menschliches Verhalten, gesellschaftliche Bedürfnisse, kulturelle Zusammenhänge oder soziale Veränderungen in Innovationsprozesse einbeziehen. In Verbindung mit technologischer Forschung können so stärker menschenzentrierte, inklusive und gesellschaftlich wirksame Lösungen entstehen.
Die neuen Leitlinien sind Teil der europäischen Aktivitäten zur Knowledge Valorisation und stehen im Zusammenhang mit der European Research Area (ERA) Policy Agenda 2025–2027. Ziel ist es, die Nutzung multidisziplinärer Forschungs- und Innovationsergebnisse im Europäischen Forschungsraum weiter zu stärken.

