EU-Projekt BEACON-HD – Innovative Ansätze zur Versorgung von Bluthochdruck- und Typ-2-Diabetes-Patienten in Ruanda und Uganda
Wirksame Medikamente gegen Bluthochdruck und Typ-2-Diabetes sind seit Langem verfügbar. In ländlichen Regionen Ruandas und Ugandas haben jedoch viele Betroffene nur schwer Zugang zu einer kontinuierlichen Behandlung. Das EU-Projekt BEACON-HD will diese Versorgungslücke mit Telemedizin und einer gemeindenahen Medikamentenversorgung schließen. Ziel ist es, die medizinische Versorgung chronisch kranker Menschen zu verbessern und die primäre Gesundheitsversorgung langfristig zu stärken.
Bluthochdruck und Diabetes: Wirksame Therapien sind vorhanden – der Zugang ist das Problem
Bluthochdruck und Typ-2-Diabetes zählen zu den häufigsten chronischen Erkrankungen. Allein in den beiden Pilotregionen von BEACON-HD – Burera in Ruanda und Nakaseke in Uganda – sind schätzungsweise rund 85.000 Menschen von Bluthochdruck und/oder Diabetes betroffen.
Die zentrale Herausforderung besteht dabei nicht darin, neue Medikamente zu entwickeln: Wirksame Behandlungsmöglichkeiten sind vorhanden, erreichen aber viele Menschen nicht dauerhaft. Gerade in ländlichen Regionen fehlen medizinisches Fachpersonal und gut erreichbare Gesundheitseinrichtungen. In den BEACON-HD-Pilotregionen können Fahrten zu einer Gesundheitseinrichtung mehr als drei Stunden dauern. Viele Patientinnen und Patienten werden deshalb erst spät diagnostiziert oder können notwendige Kontrolltermine, Behandlungen und die regelmäßige Medikamentenversorgung nicht kontinuierlich wahrnehmen.
Telemedizin und gemeindenahe Medikamentenversorgung
Hier setzt BEACON-HD an. Zwölf Partner aus Europa, Afrika und Nordamerika evaluieren im Rahmen des vom EU-Forschungs- und Innovationsprogramms Horizon Europe geförderten Projekts innovative Versorgungsmodelle für ländliche Regionen Ruandas und Ugandas.
Ein zentraler Bestandteil ist die Telemedizinplattform CarePulse, die im Projekt entwickelt wird. Patientinnen und Patienten messen ihren Blutdruck und/oder Blutzucker regelmäßig selbst und übermitteln die Werte per Mobiltelefon an das CarePulse-System. Die Gesundheitsfachkräfte können die Werte aus der Ferne beurteilen, Veränderungen frühzeitig erkennen und die weitere Behandlung bedarfsgerecht anpassen. CarePulse wird dabei so konzipiert, dass zentrale Funktionen auch mit einfachen Mobiltelefonen per SMS und nicht ausschließlich mit Smartphones genutzt werden können.
Der zweite Ansatz ist die gemeindenahe Medikamentenversorgung. Geschulte lokale Gesundheitshelferinnen und Gesundheitshelfer holen verschriebene Medikamente in den Gesundheitseinrichtungen ab und bringen sie direkt in die Gemeinden. Dadurch müssen Patientinnen und Patienten für die Medikamentenabholung nicht regelmäßig lange Wege zurücklegen.
Beide Ansätze werden gemeinsam mit Patientinnen und Patienten, medizinischem Fachpersonal, lokalen Gesundheitshelferinnen und Gesundheitshelfern sowie Verantwortlichen aus Gesundheitseinrichtungen und Gesundheitsbehörden an die Bedingungen vor Ort angepasst. So sollen Lösungen entstehen, die sich langfristig in die bestehenden Gesundheitssysteme integrieren lassen.
Praxisnahe Forschung: Was funktioniert im Versorgungsalltag?
Wie wirksam die neuen Versorgungsmodelle sind und wie gut sie sich in der Praxis umsetzen lassen, untersucht BEACON-HD in 160 Dörfern in Ruanda und Uganda. Insgesamt sollen rund 4.500 Menschen mit Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes oder beiden Erkrankungen an der Studie teilnehmen und über zwölf Monate begleitet werden.
Die teilnehmenden Dörfer werden nach dem Zufallsprinzip vier Studiengruppen zugeordnet: Neben einer Kontrollgruppe mit der bisherigen Standardversorgung gibt es eine Gruppe mit gemeindenaher Medikamentenversorgung, eine mit Telemedizin und Selbstmonitoring sowie eine Gruppe, in der beide Ansätze kombiniert werden. So lässt sich vergleichen, welchen Beitrag die einzelnen Versorgungsmodelle und ihre Kombination leisten.
BEACON-HD untersucht dabei nicht nur, ob sich Blutdruck- und Blutzuckerwerte verbessern. Ebenso wichtig ist die Frage, wie gut sich die neuen Ansätze im Versorgungsalltag umsetzen lassen. Analysiert werden unter anderem Therapietreue, Nutzung und Akzeptanz der Angebote sowie deren Wirtschaftlichkeit und organisatorische Voraussetzungen.
Die Ergebnisse sollen zeigen, welche Ansätze sich für eine langfristige und breitere Anwendung eignen und unter welchen Voraussetzungen sie auf andere Regionen mit vergleichbaren Herausforderungen übertragen werden können.
Projektziele
BEACON-HD passt neue Versorgungsmodelle für Menschen mit Bluthochdruck und Typ-2-Diabetes in ländlichen Regionen Ruandas und Ugandas an und bewertet diese. Ziel ist es, den Zugang zu einer kontinuierlichen und patientenorientierten Gesundheitsversorgung zu verbessern und dadurch die Gesundheitssysteme langfristig zu stärken.
Im Mittelpunkt stehen zwei innovative Ansätze:
- Entwicklung und Einführung der Telemedizinplattform „CarePulse“ mit Selbstmonitoring für Patientinnen und Patienten,
- Aufbau einer gemeindenahen Medikamentenversorgung durch lokale Gesundheitshelferinnen und Gesundheitshelfer
Die entwickelten Lösungen werden gemeinsam mit lokalen Akteuren an die regionalen Gegebenheiten angepasst, wissenschaftlich evaluiert und für eine langfristige Nutzung sowie die Übertragung auf andere Regionen mit vergleichbaren Herausforderungen aufbereitet.
Zielgruppen
Die Projektergebnisse richten sich an Akteure aus Gesundheitsversorgung, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft, insbesondere:
- Menschen mit Bluthochdruck und/oder Typ-2-Diabetes sowie ihre Angehörigen
- Ärztinnen und Ärzte sowie weiteres Gesundheitspersonal
- Gesundheitshelfer in der Gemeinde
- lokale Gesundheitshelferinnen und Gesundheitshelfer der gesundheitlichen Primärversorgung
- Gesundheitsministerien, Behörden und politische Entscheidungsträger
- Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
- internationale Gesundheits- und Förderorganisationen
BayFOR als Partner
Die Bayerische Forschungsallianz (BayFOR) unterstützt die Technische Universität München (TUM) als Projektkoordinatorin von BEACON-HD beim administrativen und finanziellen Projektmanagement des internationalen Konsortiums.
Zu den Aufgaben der BayFOR gehören unter anderem:
- Unterstützung des Projektkoordinators im täglichen Projektmanagement,
- Organisation und Dokumentation von Konsortialtreffen,
- Unterstützung der Partner bei administrativen und finanziellen Fragen,
- Begleitung des Berichtswesens gegenüber der Europäischen Kommission,
- Sicherstellung einer effizienten Zusammenarbeit innerhalb des Konsortiums.
Darüber hinaus unterstützt die BayFOR die Verwertung und Verbreitung der Projektergebnisse.
Förderperiode
Dieses Projekt wird von Juni 2026 bis Ende Mai 2030 von der Europäischen Union im Rahmen des Forschungs- und Innovationsprogramms Horizon Europe mit 3,9 Mio. Euro unter der Finanzhilfevereinbarung Nr. 101289715 gefördert. Davon gehen rund 840.000 Euro an bayerische Akteure.
Konsortium
Das BEACON-HD-Konsortium vereint zwölf führende Universitäten, Forschungseinrichtungen, gemeinnützige Organisationen und Unternehmen aus Europa, Afrika und Nordamerika. Gemeinsam bringen die Partner Expertise aus den Bereichen Medizin, Gesundheitswesen, Gesundheitsökonomie, Implementierungsforschung, Sozialwissenschaften und Softwareentwicklung in das Projekt ein.
Unter der Koordination der Technischen Universität München (TUM) arbeiten im Projekt folgende Projektpartner zusammen:
Koordinator: Technische Universität München (TUM) – Deutschland
Projektpartner:
African Community Center for Social Sustainability (ACCESS) – Uganda
Bayerische Forschungsallianz (BayFOR) – Deutschland
bSpoke – Griechenland
Emory University (EMO) – USA
Erasmus University Rotterdam (EUR) – Niederlande
InoSens – Serbien
Makerere University (MAK) – Uganda
Northwestern University (NU) – USA
Partners In Health (PIH) – USA
Universität Birmingham (UoB) – Vereinigtes Königreich
University of Global Health Equity (UGHE) – Ruanda
Kontakt
Prof. Dr. Nikkil Sudharsanan
TUM School of Medicine and Health
Behavioral Sciences in Prevention and Care
E-Mail: nikkil.sudharsanan@no-spam-pleasetum.de
Kontakt in der BayFOR
Anna Stegmann
Wissenschaftskoordinatorin Wissenschaftliche Koordinierungsstelle Bayern-Afrika
Tel: +49 89 9901 888-128
E-Mail: stegmann@no-spam-pleasebayfor.org

